Key-Facts der VIR Innovationstage Sessions 2026
Vision 2030 – Zukunft der digitalen Reisebranche
Zwei Tage voller Zukunftsimpulse, spannender Diskussionen und konkreter Praxisbeispiele: Unter dem Motto „Vision 2030 – Zukunft der digitalen Reisebranche“ brachten die VIR Innovationstage am 23. und 24. Juni 2026 erneut Expertinnen und Experten aus Tourismus, Politik, Wissenschaft und Technologie in Berlin zusammen. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die Frage, ob sich die Branche verändert, sondern vielmehr, wie sie diesen Wandel aktiv gestalten kann.
Künstliche Intelligenz zog sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Vorträge und Workshops. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Zukunft des Tourismus weit mehr umfasst als neue Technologien. Themen wie Resilienz, Datenkompetenz, Nachhaltigkeit, neue Arbeits- und Reiseformen sowie digitale Souveränität wurden aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet und zeigten, wie eng diese Entwicklungen inzwischen miteinander verknüpft sind.
Wer die beiden Tage erlebt hat, nahm zahlreiche Impulse, Denkanstöße und konkrete Anwendungsbeispiele mit nach Hause. Für alle, die nicht dabei sein konnten, werfen wir einen Blick zurück auf die wichtigsten Themen der VIR Innovationstage 2026.

Zukunft braucht Gestaltungswillen
Zukunft entsteht nicht von allein. Offenheit für neue Perspektiven, Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg, der verantwortungsvolle Einsatz von KI und der Mut, bestehende Denkmuster zu hinterfragen, sind zentrale Voraussetzungen für einen zukunftsfähigen Tourismus.
KI verändert die Customer Journey
Künstliche Intelligenz wird die Art und Weise verändern, wie Menschen Reisen suchen, planen und buchen. KI-Assistenten und Agentic AI können künftig nicht nur inspirieren und Angebote vergleichen, sondern eigenständig Buchungen durchführen und Entscheidungen während der Reise treffen. Für Unternehmen bedeutet das: Inhalte, Angebote und Daten müssen nicht nur für Menschen, sondern auch für KI-Systeme auffindbar und verständlich sein.
Daten sind das neue Fundament
Leistungsfähige KI braucht hochwertige Daten. Aktuelle, strukturierte und verlässliche Informationen werden zur entscheidenden Grundlage für Sichtbarkeit, Personalisierung und intelligente Anwendungen im Reisevertrieb. Daten sind damit nicht nur Treibstoff für KI, sondern eine strategische Ressource der digitalen Touristik.
Resilienz wird zur Kernkompetenz
Krisen gehören zum Alltag. Ob geopolitische Konflikte, Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder Pandemien – Unternehmen müssen vorbereitet sein. Resilienz beginnt deshalb lange vor dem Ernstfall: mit klaren Verantwortlichkeiten, belastbaren Prozessen, regelmäßigen Tests und einer Unternehmenskultur, die Veränderung als Normalzustand versteht.
Der Mensch bleibt entscheidend
Bei aller Technologie wurde deutlich: Zukunftsfähigkeit beginnt beim Menschen. Persönlicher Kontakt, Vertrauen, Service und die Fähigkeit, Veränderungen anzunehmen, bleiben zentrale Erfolgsfaktoren.
Innovation statt Reaktion
Start-ups, neue Geschäftsmodelle und Technologien zeigen, dass Innovation dort entsteht, wo konkrete Probleme der Reisenden gelöst werden. Die Branche braucht deshalb mehr Mut, neue Wege auszuprobieren und Innovation wieder stärker als Teil ihrer eigenen DNA zu verstehen.
Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählten unter anderem:
Den Auftakt bildete die Keynote „Vision 2030 – den Tourismus weiterdenken!“ von Catharina Fischer (NEXT St0p: Future) und Florian Bauhuber (Realizing Progress). Auf Basis des gemeinsam mit dem VIR entwickelten impulse4travel-Manifests 2030 ging es um Offenheit, Vernetzung, Ethik, KI sowie neue Arbeits- und Reiseformen. Die zentrale Botschaft: Tourismus muss künftig stärker gestalten statt verwalten.

In den darauffolgenden Workshops standen neue Wachstumsfelder im Mittelpunkt. Daniela Gerdes und Karina Bertagnolli (Mon Bliss) zeigten bei „Longevity-as-a-Service“, wie Gesundheit, Technologie und Tourismus zu neuen Geschäftsmodellen verbunden werden können. Personalisierte Angebote und Membership-Modelle können Reiseanbieter dabei zu langfristigen Begleitern für Gesundheit und Lebensqualität machen.
Während Kai Böcking gemeinsam mit Sylvie Konzack (Bleisure Traveller) im Workshop „Bleisure & Workation“ die wachsende Verbindung von Arbeiten und Reisen beleuchtete. Daraus entstehen neue Zielgruppen und Umsatzpotenziale, insbesondere mit Blick auf jüngere Generationen und flexiblere Arbeitsmodelle.
Parallel dazu wurde im Workshop „Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil und Business-Booster“ mit Lilith Diringer (Charge Horizons), Joelle Kremer (Midoco) und Ulrike Haertel (AERTiCKET) deutlich, wie sich ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Chancen verbinden lassen. Nachhaltigkeit kann Kosten und Ressourcen sparen und zum Wettbewerbsvorteil werden, vorausgesetzt sie wird glaubwürdig und transparent umgesetzt.

Ein zentraler Schwerpunkt des ersten Tages war die Frage, wie KI die Spielregeln der Touristik verändert. Marco Otte-Witte und Florian Pichler (Mainmatter) zeigten, wie KI Websites, Vertriebskanäle und Markenführung verändert und warum Unternehmen ihre Inhalte künftig nicht nur für Menschen, sondern auch für KI-Systeme optimieren müssen. Strukturierte Daten, APIs und starke Marken werden dabei zu wichtigen Erfolgsfaktoren.
Wie Reisen künftig durch Agentic AI und autonome Assistenten verändert werden könnte, diskutierten Marco Otte-Witte (Mainmatter), Henrike Lewerenz (Google), Salim Sahi (HoloLogix.ai) und Henning Höne (FDP-Landtagsfraktion NRW) in der Travelholics-Live-Podcast-Aufzeichnung „Reisen auf Autopilot?“. KI-Agenten könnten künftig große Teile von Suche, Vergleich und Buchung übernehmen. Unternehmen müssen deshalb sicherstellen, auch in dieser neuen Customer Journey sichtbar zu bleiben.

Wie KI bereits heute konkrete Wertschöpfung schafft, zeigten die darauffolgenden Praxis-Sessions. Franz Braun (FXB Management) machte am Beispiel von Sunny Cars deutlich: Nicht der KI-Hype, sondern konkrete Anwendungsfälle mit echtem Mehrwert entscheiden über den Erfolg.
Währenddessen zeigte Markus Stumpe (Alyza), wie KI als lernende Knowledge Base den Kundenservice unterstützt. KI kann das Wissen aus Gesprächen, E-Mails und Chats nutzbar machen, Mitarbeitende unterstützen und Routinekontakte reduzieren.
In einem weiteren Workshop diskutierten Pascal Beij (Unzer) und Jan von Ketelholdt (Mastercard) über Payment in der Zukunft. Im Mittelpunkt stehen Sicherheit, Vertrauen, klare Verantwortlichkeiten und nahtlose Bezahlprozesse.

Mit Mirko Jacubowski (A3M) rückte anschließend die Resilienz von Unternehmen in den Fokus. Frühwarnsysteme, klare Prozesse und regelmäßige Krisentrainings helfen dabei, auch auf unvorhersehbare Ereignisse vorbereitet zu sein.
Einen Blick auf die langfristige Nachfrageentwicklung warf Ulf Sonntag (FUR) mit der Reiseanalyse-Trendstudie 2035. Die Reiselust der Deutschen bleibt hoch, während digitale Buchungen weiter zunehmen. KI wird bereits heute vor allem für Inspiration und Reiseplanung genutzt.
Johannes Ganser (HanseMerkur) richtete den Blick schließlich auf die persönliche Resilienz. Gerade in Zeiten ständiger Veränderung werden Selbstreflexion, Regeneration und ein konstruktiver Umgang mit Stress zu wichtigen Future Skills für Führungskräfte und Teams.
Nach der Ansprache von Dr. Christoph Ploß, Tourismuskoordinator der Bundesregierung, klang der erste Veranstaltungstag bei der VIR Night aus. Der Abend bot Raum für Networking, persönlichen Austausch und die Vertiefung der zahlreichen Impulse des Tages.

Den zweiten Tag eröffnete Robert Heinrich (Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung) mit einem Impuls und aktuellen Einblicken aus dem BMDS. Seine Botschaft: KI ist eine Schlüsseltechnologie für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, bei der Deutschland insbesondere mit Daten, Talenten, Rechenleistung und starken KI-Anwendungen punkten kann. Zugleich kündigte er den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur und eine bessere Nutzbarkeit von Daten an. Im anschließenden von Alexandra Wolframm (Booking.com) moderierten Talk, diskutierten Robert Heinrich und VIR Vorstand Michael Buller über Regulierung, Skalierung und digitale Souveränität. Dabei wurde deutlich: Europa muss kritische Abhängigkeiten reduzieren und eigene Fähigkeiten stärken, gleichzeitig aber offen für internationale Partnerschaften bleiben und Regulierung so gestalten, dass sie Vertrauen schafft, ohne Innovation auszubremsen.
Im Anschluss diskutierten Gabriela Mendoza Rohde (weg.de), Thomas Bösl (RT/Raiffeisen Touristik Group) und Detlef Schroer (Schauinsland Reisen) unter Moderation von Alexander Krug (fvw), wie sich Kostendruck, geopolitische Unsicherheiten und verändertes Buchungsverhalten auf die Touristik auswirken. Deutlich war: Die Nachfrage bleibt resilient, wird jedoch kurzfristiger und preissensibler. Service, Vertrauen und Kundenbindung gewinnen dadurch an Bedeutung.

Direkt danach ging es wieder in die Workshopräume. Hier wurde auf den VIR Innovationstagen erstmals die neue ReiseZukunft-Studie von CENTOURIS präsentiert. Diese verdeutlichte, dass Reisende KI bereits heute vor allem für Inspiration und Reiseplanung nutzen. Gleichzeitig bleibt menschliche Unterstützung bei wichtigen Entscheidungen gefragt. KI wird damit eher zum persönlichen Reisebegleiter als zum Ersatz des Menschen.
Parallel beschäftigten sich Marc Herrgott und Andy Lita (traffics) mit dem Thema „Daten sind das neue Fundament“. Denn nicht das neueste Sprachmodell entscheidet über erfolgreiche KI-Anwendungen, sondern aktuelle, strukturierte und verlässliche Daten.
Wie digitale Wallets die Customer Experience verbessern können, zeigten Richard Walitza (Mastercard) und Wilm Kemper (YourPass). Reiseinformationen, Services und Angebote lassen sich direkt auf dem Smartphone bündeln und ermöglichen so eine direkte Kommunikation entlang der gesamten Reise.
Daniel Koenen und Mario Linzbauer (Bluecode) präsentierten einen Ansatz für mobiles Bezahlen weltweit. Über QR-Code-Zahlungen können Reisende einfach und transparent bezahlen – und touristische Anbieter gleichzeitig neue Möglichkeiten für Kundenbindung und Service erschließen.

Mit „Zurück in die Zukunft. Travels Weg von Reaktion zu Resilienz“ diskutierten Charlotte Hartmann (GoGroup), Lam Tuyen Mildenstrey (Travee), Michael Menzel (fanz) und Stefan Hechberger (New Travel), wie die Branche wieder stärker aus eigener Innovationskraft heraus agieren kann. Mehr Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen sowie Modelle wie Venture Clienting können dabei helfen, vom Reagieren wieder stärker ins Gestalten zu kommen.
Einen Blick auf die Experience Economy 2035 warf Prof. Dr.-Ing. Vanessa Borkmann (Fraunhofer IAO) in den hybriden Innovation Shorts powered by team neusta. KI, Smart Glasses, Avatare und immersive Technologien könnten künftig reale und digitale Reiseerlebnisse immer stärker miteinander verbinden.
Marina Ackermann und Berend Rieckmann (Initiative Pauschalreise e. V.) rückten die Stärken der Pauschalreise in den Fokus. Sicherheit, Krisenhilfe, Insolvenzschutz und Komfort gewinnen gerade in Zeiten zunehmender Unsicherheit wieder an Bedeutung.
Beim Cybersecurity Reality Check machten Maureen Erven und Sebastian Eken (team neusta) deutlich, dass Cybersicherheit längst eine Managementaufgabe ist. Neben technischen Schutzmaßnahmen braucht es Awareness, Backups sowie klare und regelmäßig getestete Notfall- und Kommunikationsprozesse.
Zum Abschluss zeigte Benjamin Höfle (Experian), wie Travel Analytics & Data Intelligence Unternehmen dabei helfen, ihre Kundinnen und Kunden besser zu verstehen, Zielgruppen präziser anzusprechen und Marketing sowie Vertrieb datenbasiert zu steuern. Eigene Kundendaten können gezieltere Ansprache, Personalisierung und effizienteres Marketing ermöglichen. Entscheidend ist, aus Daten konkrete und messbare Maßnahmen abzuleiten.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Partnern, Sponsoren, Referentinnen und Referenten, Gästen und Helferinnen und Helfern für zwei großartige VIR Innovationstage 2026 bedanken! Gemeinsam haben wir gezeigt: Die Zukunft des Tourismus ist keine ferne Vision. Sie wird heute gestaltet.
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