Das waren die VIR Innovationstage 2026
Vision 2030: Gemeinsam den Tourismus von morgen gestalten
Zwei Tage voller Zukunftsimpulse, kontroverser Diskussionen und konkreter Praxisbeispiele: Unter dem Motto „Vision 2030“ brachten die VIR Innovationstage am 23. und 24. Juni 2026 erneut Expertinnen und Experten aus Tourismus, Politik, Wissenschaft und Technologie in Berlin zusammen. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die Frage, ob sich die Branche verändert – sondern vielmehr, wie sie diesen Wandel aktiv gestalten kann.
Künstliche Intelligenz zog sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Vorträge und Workshops. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Zukunft des Tourismus weit mehr umfasst als neue Technologien. Themen wie Resilienz, Datenkompetenz, Nachhaltigkeit, neue Arbeits- und Reiseformen sowie digitale Souveränität wurden aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet und zeigten, wie eng diese Entwicklungen inzwischen miteinander verknüpft sind.
Wer die beiden Tage erlebt hat, nahm zahlreiche Impulse, Denkanstöße und konkrete Anwendungsbeispiele mit nach Hause. Für alle, die nicht dabei sein konnten, werfen wir einen Blick zurück auf die wichtigsten Themen der VIR Innovationstage 2026.
Tag 1: Visionen entwickeln und Zukunft gestalten
Begrüßung: Die Zukunft beginnt jetzt
Zum Auftakt der VIR Innovationstage begrüßte VIR-Vorstand Michael Buller die Teilnehmenden und machte deutlich, vor welcher zentralen Herausforderung die Touristik heute steht: Künstliche Intelligenz verändert bereits jetzt grundlegend, wie Menschen Reisen suchen, planen und buchen. Die entscheidende Frage sei deshalb nicht mehr, ob KI die Branche verändern werde, sondern welche Rolle touristische Unternehmen künftig in einer zunehmend KI-geprägten Reisewelt einnehmen. Genau hier setzten die VIR Innovationstage 2026 an: Sie sollten Orientierung geben, unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und Denkanstöße liefern, wie der Tourismus seine Zukunft aktiv gestalten kann.
Vision 2030: Tourismus braucht Gestaltungswillen
Mit ihrer Eröffnungskeynote „Vision 2030 – den Tourismus weiterdenken!“ stellten Catharina Fischer und Florian Bauhuber das gemeinsam mit dem VIR entwickelte impulse4travel-Manifest vor. Dabei ging es weniger um einzelne Zukunftstrends als um eine grundsätzliche Frage: Welche Rolle soll der Tourismus im Jahr 2030 einnehmen?
Die beiden machten deutlich, dass sich die Branche längst nicht mehr isoliert betrachten lässt. Tourismus ist eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen, technologischen Innovationen und der Gestaltung lebenswerter Räume verbunden. Zukunft entsteht dabei nicht von allein – sie muss aktiv gestaltet werden. Das impulse4travel-Manifest versteht sich deshalb als Einladung, den Wandel nicht nur zu begleiten, sondern ihn bewusst mitzugestalten. Offenheit für neue Perspektiven, Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg, der verantwortungsvolle Einsatz von Künstlicher Intelligenz und der Mut, bestehende Denkmuster zu hinterfragen, wurden dabei als zentrale Voraussetzungen für einen zukunftsfähigen Tourismus beschrieben.
Neue Perspektiven für Tourismus und Gesellschaft
Die ersten Workshops des Tages machten deutlich, dass die Zukunft der Touristik weit über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz hinausgeht. Im Mittelpunkt standen gesellschaftliche Entwicklungen, die das Reisen nachhaltig verändern – und damit auch neue Chancen für touristische Unternehmen eröffnen.
Im Workshop „Longevity-as-a-Service“ zeigte Daniela Gerdes (Mon Bliss), wie Gesundheit und Tourismus künftig stärker zusammenwachsen können. Die zentrale These: Reisen entwickelt sich zunehmend von einer reinen Auszeit hin zu einem Baustein für ein gesundes und langes Leben. Ob Bewegung, Regeneration, Ernährung oder mentale Gesundheit – touristische Angebote können künftig gezielt dazu beitragen, das Wohlbefinden der Reisenden nachhaltig zu fördern. Damit eröffnet sich für die Branche ein völlig neues Geschäftsfeld, das weit über klassische Wellness-Angebote hinausgeht.
Dass sich auch das Reiseverhalten verändert, zeigte Kai Böcking (Bleisure Traveller) im Workshop „Bleisure & Workation“. Flexible Arbeitsmodelle ermöglichen es immer mehr Menschen, Beruf und Freizeit miteinander zu verbinden. Geschäftsreisen werden verlängert, der Arbeitsort wird unabhängiger und Destinationen gewinnen die Chance, Gäste über einen längeren Zeitraum an sich zu binden. Bleisure und Workation sind damit weit mehr als kurzfristige Trends – sie verändern die Erwartungen an touristische Angebote und schaffen neue Potenziale für Destinationen, Hotels und Arbeitgeber gleichermaßen.
Wie nachhaltiges Wirtschaften zum Wettbewerbsvorteil werden kann, zeigte schließlich der Workshop „Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil und Business-Booster“. Anhand konkreter Praxisbeispiele wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit längst kein reines Compliance-Thema mehr ist. Wer ökologische und soziale Verantwortung strategisch in Unternehmensprozesse integriert, stärkt nicht nur seine Glaubwürdigkeit, sondern kann Ressourcen effizienter nutzen, Mitarbeitende stärker einbinden und langfristig wirtschaftliche Vorteile erzielen. Nachhaltigkeit wurde damit als Innovationstreiber verstanden – und nicht als Verzicht.
KI verändert Websites, Vertrieb und Marken
Nach der ersten Workshoprunde rückte Künstliche Intelligenz wieder in den Mittelpunkt des Programms.
Mit ihrem Vortrag warfen Marco Otte-Witte und Florian Pichler (Mainmatter) einen Blick auf eine Entwicklung, die den digitalen Reisevertrieb grundlegend verändern könnte: Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch die Art und Weise, wie Reisende Informationen finden und Entscheidungen treffen.
Statt sich durch Suchergebnisse und Webseiten zu klicken, beziehen immer mehr Nutzer ihre Informationen direkt über KI-Assistenten. Dadurch verändert sich die Rolle der Unternehmenswebsite grundlegend. Sie bleibt zwar ein wichtiger Bestandteil der digitalen Präsenz, entwickelt sich aber zunehmend von der klassischen Einstiegsseite für Kundinnen und Kunden zu einer Informationsquelle für KI-Systeme. Für touristische Unternehmen bedeutet das, Inhalte künftig so aufzubereiten, dass sie nicht nur Menschen überzeugen, sondern auch von Sprachmodellen verstanden, eingeordnet und weitergegeben werden können.
Die Referenten machten deutlich, dass diese Entwicklung weit über technische Fragen hinausgeht. Wer auch künftig sichtbar bleiben möchte, muss seine Marke, Inhalte und digitale Strategie frühzeitig auf eine KI-geprägte Customer Journey ausrichten. Die Zukunft entscheidet sich damit nicht mehr allein auf der eigenen Website, sondern zunehmend dort, wo Künstliche Intelligenz Informationen bündelt, bewertet und Empfehlungen ausspricht.
Reisen auf Autopilot? Wie Agentic AI den Reisevertrieb verändert
Mit der Live-Podcast-Aufzeichnung von Travelholics direkt auf der Bühne richtete sich der Blick auf eine der wohl spannendsten Zukunftsfragen des digitalen Reisevertriebs: Was passiert, wenn künftig nicht mehr Menschen selbst nach Reisen suchen, sondern intelligente KI-Agenten diese Aufgabe übernehmen?
Die Diskussionsrunde machte deutlich, dass Agentic AI weit über klassische Chatbots hinausgeht. Künftige KI-Agenten könnten Reisen eigenständig recherchieren, Angebote vergleichen, Buchungen durchführen und sogar während der Reise weitere Entscheidungen treffen – immer auf Grundlage der individuellen Vorlieben ihrer Nutzerinnen und Nutzer. Damit verändert sich nicht nur der Buchungsprozess, sondern die gesamte Customer Journey.
Für touristische Unternehmen bedeutet das einen grundlegenden Perspektivwechsel. Künftig reicht es nicht mehr aus, Kundinnen und Kunden auf die eigene Website zu führen. Stattdessen müssen Inhalte, Angebote und Daten so aufbereitet sein, dass sie auch von KI-Agenten gefunden, verstanden und empfohlen werden können. Gleichzeitig waren sich die Diskutierenden einig, dass Marken, Vertrauen und qualitativ hochwertige Daten dadurch sogar an Bedeutung gewinnen. Denn auch ein autonom handelnder KI-Agent kann nur so gut entscheiden, wie die Informationen, auf die er zugreift.
KI in der Praxis: Vom Hype zum konkreten Nutzen
Während auf der Hauptbühne über die Zukunft des Reisevertriebs diskutiert wurde, zeigten die anschließenden Workshops, wie Künstliche Intelligenz bereits heute in Unternehmen eingesetzt wird. Statt über Zukunftsszenarien zu diskutieren, standen konkrete Anwendungsfälle und die Frage im Mittelpunkt, wie KI einen echten Mehrwert für Unternehmen und Mitarbeitende schaffen kann.
Franz Braun machte in seiner Session deutlich, dass erfolgreiche KI-Projekte nicht mit der Auswahl eines Tools beginnen, sondern mit einem klar definierten Problem. Erst wenn Unternehmen ihre Prozesse verstehen und konkrete Anwendungsfälle identifizieren, kann KI ihre Stärken ausspielen. Entscheidend seien dabei weniger technische Spielereien als die Bereitschaft, bestehende Arbeitsweisen zu hinterfragen und Mitarbeitende aktiv in den Veränderungsprozess einzubinden.
Wie KI den Arbeitsalltag konkret erleichtern kann, zeigte Markus Stumpe in seinem Workshop „KI als Knowledge Base“. Statt Informationen mühsam aus unterschiedlichen Systemen zusammenzutragen, kann eine intelligente Wissensplattform Mitarbeitenden genau die Inhalte bereitstellen, die sie im jeweiligen Moment benötigen. Dadurch lassen sich Beratungsprozesse beschleunigen, Wissen dauerhaft sichern und neue Kolleginnen und Kollegen deutlich schneller einarbeiten. Voraussetzung dafür bleibt jedoch eine gepflegte und strukturierte Wissensbasis.
Mit der Frage, wie sich Payment durch Künstliche Intelligenz verändert, beschäftigten sich Pascal Beij. Diskutiert wurde, welche Anforderungen entstehen, wenn KI-Agenten künftig nicht nur Reisen recherchieren und buchen, sondern auch eigenständig Zahlungen auslösen. Im Mittelpunkt standen dabei Vertrauen, Sicherheit und die Gestaltung nahtloser Bezahlprozesse. Deutlich wurde: Payment entwickelt sich zunehmend vom sichtbaren Transaktionsschritt zu einem intelligenten Service, der sich unauffällig in die Customer Journey integriert.
Krisen gehören zum Alltag – Resilienz entscheidet
Zurück auf der Hauptbühne richtete Mirko Jacubowski den Blick auf ein Thema, das die Branche in den vergangenen Jahren immer wieder begleitet hat: Krisen.
Mit seinem Vortrag rückte Mirko Jacubowski (A3M Global Monitoring) ein Thema in den Mittelpunkt, das die Touristik in den vergangenen Jahren immer wieder herausgefordert hat: den professionellen Umgang mit Krisen. Seine zentrale Botschaft: Die Frage ist längst nicht mehr, ob eine Krise eintritt, sondern wie gut Unternehmen darauf vorbereitet sind.
Anhand zahlreicher Beispiele zeigte Jacubowski, dass geopolitische Konflikte, Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder Pandemien zunehmend Teil eines komplexen Unternehmensumfelds sind. Resilienz bedeutet deshalb weit mehr als funktionierendes Krisenmanagement. Sie beginnt lange vor dem Ernstfall – mit klaren Verantwortlichkeiten, belastbaren Prozessen, kontinuierlicher Vorbereitung und einer Unternehmenskultur, die Veränderungen als Teil des Alltags begreift. Wer Krisen nicht nur bewältigen, sondern gestärkt aus ihnen hervorgehen möchte, muss Resilienz als dauerhafte Führungs- und Managementaufgabe verstehen.
Reiseanalyse 2035: Warum Reisen ein Grundbedürfnis bleibt
Mit der Vorstellung der Reiseanalyse-Trendstudie 2035 warf Ulf Sonntag (Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V.) einen Blick auf die langfristige Entwicklung des Reiseverhaltens. Dabei räumte er zunächst mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: Trends seien keine Zukunftsprognosen, sondern Entwicklungen, die sich bereits über viele Jahre hinweg beobachten lassen. Genau deshalb gilt die Reiseanalyse seit Jahrzehnten als verlässlicher Seismograf für den deutschen Reisemarkt.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass selbst Pandemie, Inflation oder geopolitische Krisen die grundsätzliche Reiselust der Menschen kaum verändert haben. Während sich Informations- und Buchungsverhalten stetig weiterentwickeln, bleibt Reisen ein fester Bestandteil des Lebens. Gleichzeitig gewinnt Künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung – insbesondere bei der Inspiration und Reiseplanung. Sie verändert jedoch nicht das Bedürfnis zu reisen, sondern vor allem die Art und Weise, wie Menschen zu ihren Entscheidungen gelangen.
Resilienz beginnt beim Menschen
Mit einem ebenso persönlichen wie inspirierenden Impuls setzte Johannes Ganser (HanseMerkur) den Schlusspunkt unter den ersten Veranstaltungstag. Nachdem zuvor vor allem über die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen gesprochen worden war, richtete er den Blick auf den wichtigsten Erfolgsfaktor jeder Organisation: den Menschen.
Ganser machte deutlich, dass wir in einer Zeit leben, in der Veränderungen nicht mehr die Ausnahme, sondern der Normalzustand sind. Umso wichtiger sei es, die eigene Resilienz bewusst zu stärken. Dabei verstand er Resilienz nicht als angeborene Eigenschaft, sondern als Fähigkeit, die sich entwickeln und trainieren lässt. Selbstreflexion, gesunde Gewohnheiten, bewusste Regeneration und der konstruktive Umgang mit Stress seien dabei keine „Soft Skills“, sondern entscheidende Voraussetzungen, um auch unter dauerhaftem Veränderungsdruck leistungsfähig zu bleiben.
Seine Botschaft ging dabei weit über den Einzelnen hinaus. Resiliente Unternehmen entstehen nicht allein durch Strategien oder Prozesse, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, Veränderungen annehmen und auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig bleiben. Damit schlug Ganser eine Brücke zu vielen Themen des ersten Veranstaltungstags: Zukunftsfähigkeit beginnt nicht bei der Technologie – sie beginnt bei den Menschen, die sie gestalten.
Politik trifft Branche
Bevor der erste Veranstaltungstag in die VIR Night überging, richtete Dr. Christoph Ploß, Tourismuskoordinator der Bundesregierung, ein Grußwort an die Teilnehmenden. Er unterstrich die Bedeutung des Tourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor und machte deutlich, dass Politik und Branche die Herausforderungen der kommenden Jahre nur gemeinsam bewältigen können. Themen wie Digitalisierung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit würden dabei weiter an Bedeutung gewinnen und erforderten einen engen Austausch zwischen Wirtschaft und Politik.
Austausch bis in den Abend
Mit der VIR Night klang der erste Veranstaltungstag in entspannter Atmosphäre aus. Zwischen den Programmpunkten und darüber hinaus bot sich den Teilnehmenden ausreichend Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen, neue Kontakte zu knüpfen und die zahlreichen Impulse des Tages weiterzudenken. Denn genau dieser persönliche Austausch ist seit jeher ein wesentlicher Bestandteil der VIR Innovationstage und macht den besonderen Charakter der Veranstaltung aus.
Tag 2: Innovation konkret gestalten
Nach einem gemeinsamen Warm-up-Frühstück powered by HanseMerkur starteten die Teilnehmenden mit frischen Impulsen in den zweiten Veranstaltungstag. Stand am Vortag vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Touristik auf den Wandel vorbereiten kann, ging es nun verstärkt darum, wie sich Zukunft ganz konkret gestalten lässt – politisch, technologisch und unternehmerisch.
Zwischen AI Act und Innovationsdruck
Mit einem Impuls von Robert Heinrich (Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung) und der anschließenden Paneldiskussion mit VIR-Vorstand Michael Buller und Alexandra Wolframm (Booking.com) rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie Europa im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz wettbewerbsfähig bleiben kann. Einigkeit bestand darin, dass digitale Souveränität weit mehr bedeutet als leistungsfähige Sprachmodelle. Entscheidend sind ebenso der Zugang zu Daten, Rechenkapazitäten, qualifizierte Fachkräfte und das Vertrauen der Menschen in die Technologie.
Besonders intensiv wurde darüber diskutiert, wie Künstliche Intelligenz den digitalen Reisevertrieb verändern wird. Michael Buller machte deutlich, dass Unternehmen künftig nicht mehr nur für Suchmaschinen, sondern zunehmend auch für KI-Systeme sichtbar sein müssen. Webseiten entwickeln sich damit vom klassischen Schaufenster für Kundinnen und Kunden zu einer Informationsquelle für Sprachmodelle und KI-Assistenten. Wer künftig in KI-generierten Antworten nicht mehr auftaucht, riskiert, den direkten Zugang zu potenziellen Reisenden zu verlieren. Die Frage, wie Unternehmen ihre Inhalte für KI-Systeme aufbereiten und ihre Sichtbarkeit sichern, wird damit zu einer zentralen strategischen Aufgabe der digitalen Touristik.
Zwischen Kostendruck und veränderten Kundenbedürfnissen
Wie sieht die aktuelle Lage der Touristik wirklich aus? Dieser Frage widmete sich das Panel mit Gabriela Mendoza Rohde (weg.de), Thomas Bösl (RT/Raiffeisen Touristik Group) und Detlef Schroer (schauinsland-reisen), moderiert von Alexander Krug (fvw | TravelTalk).
Die Diskussion machte deutlich, dass die Reiselust der Menschen ungebrochen ist – gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Kundinnen und Kunden spürbar. Preisbewusstsein, kurzfristigere Buchungsentscheidungen, der Wunsch nach mehr Flexibilität sowie ein wachsender Informationsbedarf stellen Reiseunternehmen vor neue Herausforderungen. Hinzu kommen steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz, die bestehende Geschäftsmodelle zunehmend unter Veränderungsdruck setzen.
Einigkeit bestand darin, dass die Branche diese Entwicklungen nicht isoliert betrachten darf. Wer auch künftig erfolgreich sein möchte, muss wirtschaftliche Stabilität mit Innovation verbinden, neue Technologien sinnvoll einsetzen und gleichzeitig den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen. Gerade in einem dynamischen Marktumfeld werden Vertrauen, Servicequalität und die Fähigkeit, sich schnell auf Veränderungen einzustellen, zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren.
Neue Technologien für das Reiseerlebnis von morgen
Parallel vertieften die Workshops am Mittag unterschiedliche Zukunftsthemen der digitalen Touristik. CENTOURIS stellte in der Session „ReiseZukunft: Wie stehen Reisende zu KI?“ aktuelle Ergebnisse zur Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz in der Reiseplanung vor. Besonders deutlich wurde: KI wird vor allem in den frühen Phasen der Customer Journey als Unterstützung wahrgenommen – etwa bei Inspiration, Vergleich und Angebotsfindung. Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt wichtig, vor allem während der Reise sowie in Situationen, in denen Reisende Sicherheit oder Rückversicherung benötigen.
Richard Walitza und Wilm Kemper zeigten in der Session „Wallet“, wie digitale Pässe in Apple oder Google Wallet genutzt werden können, um Reisende entlang der gesamten Reise mit relevanten Informationen, Push-Nachrichten und Services zu begleiten. Damit werden Wallets zu einem leichtgewichtigen Kommunikationskanal, der weit über Boardingpässe hinausgeht.
Daniel Koenen und Mario Linzbauer stellten mit Bluecode einen europäischen Ansatz für mobiles Bezahlen vor. Im Mittelpunkt stand das Bezahlen per QR-Code: Reisende können über lokale Zahlungsnetzwerke weltweit bezahlen, ohne dafür ein lokales Bankkonto oder eine Kreditkarte zu benötigen. Für touristische Anbieter entstehen dadurch neue Möglichkeiten, Kundennähe, Service und Payment stärker miteinander zu verbinden.
Von der Reaktion zurück zur Innovation
„Wer von uns hält sich eigentlich für innovativ?“ Mit dieser Frage eröffnete Charlotte Hartmann (Go Group) ihre Session „Zurück in die Zukunft. Travels Weg von Reaktion zu Resilienz“ und regte damit zum Nachdenken an. Denn obwohl der Tourismus im Vergleich zu anderen Branchen deutlich weniger in Innovation investiert, hat er immer wieder Geschäftsmodelle hervorgebracht, die Märkte nachhaltig verändert haben – von Booking.com über Airbnb bis hin zu FlixBus.
Gemeinsam mit Lam Tuyen Mildenstrey (Travee), Michael Menzel (fanz) und Stefan Hechberger (New Travel) zeigte sie anschließend, wie Start-ups und neue Technologien diese Innovationskraft heute fortführen. Ob KI-gestützte Reisebegleitung, neue Loyalty-Ansätze oder spezialisierte Reiseplattformen – Innovation entsteht dort, wo konkrete Probleme der Reisenden gelöst werden. Die zentrale Botschaft der Session: Der Tourismus sollte sich nicht länger ausschließlich von Krisen treiben lassen, sondern wieder mutiger gestalten und Innovation als Teil seiner eigenen DNA verstehen.
Zukunftstechnologien, Daten und Sicherheit
Am Nachmittag boten die Workshops noch einmal ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft der Touristik.
Prof. Dr. Vanessa Borkmann (Fraunhofer IAO) entwarf mit ihrer Innovation-Shorts-Session „Experience Economy 2035“ ein Zukunftsbild, in dem reale und digitale Reiseerlebnisse zunehmend miteinander verschmelzen. Künstliche Intelligenz, Smart Glasses, Avatare und immersive Technologien könnten Reisende künftig vor, während und nach der Reise begleiten und völlig neue Erlebniswelten schaffen.
Marc Herrgott und Andy Lita (traffics) machten in ihrer Session „Daten sind das neue Fundament“ deutlich, dass erfolgreiche KI-Anwendungen nicht in erster Linie von immer leistungsfähigeren Sprachmodellen abhängen. Entscheidend seien qualitativ hochwertige, aktuelle und sauber strukturierte Daten. Erst sie ermöglichen verlässliche Ergebnisse und schaffen die Grundlage für intelligente Anwendungen im Reisevertrieb.
Mit einem ganz anderen Blickwinkel beschäftigte sich die Initiative Pauschalreise. Marina Ackermann und Berend Rieckmann warben dafür, die Vorteile der Pauschalreise wieder stärker in den Mittelpunkt der Kommunikation zu stellen. Gerade in Zeiten zunehmender Unsicherheit gewinnen Aspekte wie Sicherheit, Insolvenzschutz, Unterstützung im Krisenfall und Komfort für viele Reisende erneut an Bedeutung.
Daten verstehen, Risiken beherrschen
Zum Abschluss des Workshopprogramms rückten zwei Themen in den Mittelpunkt, die für die Zukunft der digitalen Touristik untrennbar miteinander verbunden sind: der verantwortungsvolle Umgang mit Daten und ihre sichere Nutzung.
Maureen Erven und Sebastian Eken (team neusta) machten deutlich, dass Cybersecurity heute weit mehr ist als der Schutz von IT-Systemen. Mit zunehmender Digitalisierung wachsen auch die Anforderungen an Unternehmen, Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und organisatorisch mitzudenken. Cybersecurity beginnt deshalb nicht erst bei technischen Lösungen, sondern bei klaren Prozessen, einer gelebten Sicherheitskultur und dem Bewusstsein aller Mitarbeitenden. Wer Sicherheit erst dann ernst nimmt, wenn ein Angriff bereits stattgefunden hat, reagiert zu spät.
Wie wertvoll Daten für unternehmerische Entscheidungen sein können, zeigte Benjamin Höfle (Experian). Viele touristische Unternehmen verfügen bereits heute über umfangreiche Kundendaten – nutzen deren Potenzial jedoch nur unzureichend. Durch eine intelligente Analyse lassen sich Zielgruppen besser verstehen, Angebote gezielter personalisieren und Marketing- sowie Vertriebsmaßnahmen deutlich präziser ausrichten. Die Session machte damit deutlich: Daten sind nicht nur der Treibstoff für Künstliche Intelligenz, sondern eine der wichtigsten strategischen Ressourcen für die Zukunft des Tourismus.
Zwei Tage voller Zukunftsimpulse
Mit den Abschlussworten von VIR-Vorstand Michael Buller endeten zwei intensive Veranstaltungstage, die eines deutlich machten: Die Zukunft der Touristik wird nicht von einer einzelnen Technologie oder einem einzelnen Trend bestimmt. Vielmehr entsteht sie aus dem Zusammenspiel von Innovation, Daten, Künstlicher Intelligenz, nachhaltigem Wirtschaften und der Bereitschaft, Veränderungen aktiv zu gestalten.
Die VIR Innovationstage 2026 haben eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig diese Entwicklungen bereits heute sind – und wie wichtig der Austausch zwischen Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Start-ups ist, um gemeinsam Antworten auf die Herausforderungen der kommenden Jahre zu finden.
Vision 2030 war damit nicht nur das Motto der Veranstaltung, sondern vor allem eine Einladung an die Branche, den Tourismus von morgen schon heute aktiv mitzugestalten.
Wir hoffen sehr, dass unseren Gästen die VIR Innovationstage 2026 gefallen haben, Sie viele Inspirationen sammeln konnten sowie alte und neue Bekannte getroffen haben und freuen uns jetzt schon auf das nächste Jahr!
VIR Bildergalerie
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