Das VIR Austauschmeeting 2026 in Hamburg

Wie viel Verantwortung können wir an KI abgeben? Welche Chancen bieten digitale Identitäten und Wallets für die Touristik? Und wie behalten wir bei all den technologischen Entwicklungen den Menschen im Blick? Mit diesen und vielen weiteren Themen beschäftigte sich die VIR Mitglieder am 28. und 29. Oktober beim diesjährigen Austauschmeeting in Hamburg. Gastgeber war die HanseMerkur.

Zwei Tage lang standen aktuelle Entwicklungen, neue Ideen und konkrete Fragen aus der touristischen Praxis im Mittelpunkt. Dabei ging es nicht nur darum, welche Möglichkeiten neue Technologien eröffnen, sondern auch darum, wie wir sie sinnvoll einsetzen und gemeinsam die Zukunft unserer Branche gestalten können. Und natürlich kam auch der persönliche Austausch nicht zu kurz.

Der Auftakt: Networking und ein Todesfall

Das VIR Austauschmeeting startete schon am Vorabend mit einem gemeinsamen Dinner im east Restaurant in Hamburg. Bei gutem Essen und in entspannter Atmosphäre blieb Zeit, sich auszutauschen, bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Kontakte zu knüpfen.

Danach wurde es alles andere als gewöhnlich: Gemeinsam ging es ins Imperial Theater, wo uns ein Krimi erwartete, bei dem das Publikum selbst mitentscheiden durfte. Welche Rollen sollten die Schauspieler übernehmen? Wie sollte die Geschichte ihren Lauf nehmen? Vorgaben aus dem Publikum machten den Abend unvorhersehbar und sorgten für jede Menge Überraschungen, wie der Entscheidung dass ein Reisebüro zum Schauplatz des Verbrechens wurde. Dabei trugen unsere Ideen maßgeblich zur Lösung des Falls bei, unter anderem durch die Bereitstellung eines Beweismittels – einer Packung SMINT eines unserer Mitglieder!

Ein rundum gelungener Auftakt, der gezeigt hat, dass zum VIR Austauschmeeting neben spannenden fachlichen Impulsen vor allem auch persönliche Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse gehören.

Ein Blick hinter die Kulissen der HanseMerkur

Am Donnerstag startete das offizielle Programm mit der Begrüßung durch den VIR und Gastgeber HanseMerkur. Ein herzliches Dankeschön an das Team der HanseMerkur für die Gastfreundschaft und dafür, dass wir das Austauschmeeting in diesem besonderen Rahmen veranstalten durften.

Gleich zu Beginn ging es für unsere Mitglieder auf Entdeckungstour durch das Hauptgebäude. Dabei gab es einiges zu entdecken: Mit dem Haus Wedells beherbergt die HanseMerkur eine historische Stadtvilla, die der Hamburger Kaufmann und Kunstmäzen Siegfried Wedells 1895/96 nach Plänen des Architekten Martin Haller errichten ließ. Das Gebäude beeindruckt bis heute durch seine Architektur und die erhaltenen Details aus dem späten 19. Jahrhundert.

Über die HanseMerkur Reiseversicherung

Die Wurzeln der HanseMerkur reichen bis ins Jahr 1875 zurück. 2025 feierte die Hamburger Versicherungsgruppe ihr 150-jähriges Bestehen. Ein wichtiger Meilenstein folgte 1977 mit der Gründung der HanseMerkur Reiseversicherung AG, die sich seitdem zu einem etablierten Anbieter von Reiseversicherungen entwickelt hat. 2027 steht bereits das nächste Jubiläum an: Die Reiseversicherung wird 50 Jahre alt.

Ihr soziales Engagement wird unter anderem durch den HanseMerkur Preis für Kinderschutz deutlich, welcher seit 1980 vergeben wird und Initiativen unterstützt, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzen. 2026 wurde der Preis zum 45. Mal verliehen.

Als Mitglied des Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) ist die HanseMerkur Reiseversicherung außerdem fest in der digitalen Touristik verankert. Sie engagiert sich im Branchennetzwerk, fördert den Austausch und bringt ihre Expertise unter anderem in den Bereichen Nachhaltigkeit und Touristik ein.

Rechtliche Entwicklungen: Was die Branche im Blick behalten sollte

Weiter ging es mit der „Juristischen Halben Stunde“ von Prof. Dr. Hans-Josef Vogel von ADVANT Beiten. Auf der Agenda standen aktuelle rechtliche Entwicklungen, die touristische Unternehmen in den kommenden Jahren beschäftigen werden, darunter die Überarbeitung der EU-Pauschalreiserichtlinie und die geplanten Änderungen bei den Fluggastrechten sowie zu aktuellen Gerichtsurteilen.

Solche Veränderungen werfen oft ganz praktische Fragen auf: Was kommt auf Unternehmen zu? Welche Prozesse müssen möglicherweise angepasst werden? Und worauf sollten sich Anbieter schon heute einstellen?

Der Austausch zu diesen Themen macht deutlich, wie wertvoll es ist, rechtliche Entwicklungen gemeinsam einzuordnen und Erfahrungen aus der Praxis zu teilen. Denn je früher Unternehmen mögliche Veränderungen auf dem Schirm haben, desto besser können sie sich darauf vorbereiten.

KI-Agenten: Was heute schon möglich ist – und wo Grenzen nötig sind

Ein Thema, welches die Touristik derzeit besonders beschäftigt, ist der Einsatz künstlicher Intelligenz. Camil Binas von CFM Media, widmete sich in seinem Vortrag „Du hast absolut recht.“ – 2027 aber wirklich den Entwicklungen rund um autonome KI-Agenten und der Frage, was in naher Zukunft realistisch sein könnte.

KI-Agenten können Aufgaben zunehmend eigenständig übernehmen und miteinander verknüpfte Arbeitsschritte ausführen. Das eröffnet interessante Möglichkeiten, auch für touristische Unternehmen. Gleichzeitig zeigt sich: Nur weil sich eine Aufgabe automatisieren lässt, bedeutet das nicht automatisch, dass sie vollständig an nur einen Agenten abgegeben werden sollte.

Ein wichtiger Gedanke aus dem Vortrag war deshalb, klein und gezielt anzufangen. Statt direkt ganze Prozesse oder komplexe Aufgaben vollständig zu automatisieren, kann es sinnvoll sein, zunächst klar abgegrenzte Anwendungsfälle zu testen und die Systeme in bestehende Abläufe einzubinden. So lassen sich Erfahrungen sammeln, Ergebnisse überprüfen und Fehler besser kontrollieren.

Genauso wichtig sind klare Regeln: Welche Aufgaben darf ein Agent übernehmen? Auf welche Daten darf er zugreifen? Und an welchem Punkt muss ein Mensch die Kontrolle behalten? Diese Grenzen müssen Unternehmen bewusst festlegen.

Der Blick auf die Entwicklungen bis 2027 machte deutlich, dass wir uns nicht allein von technischen Möglichkeiten leiten lassen sollten. Entscheidend ist vielmehr, wo KI tatsächlich hilft, welche Aufgaben sie zuverlässig unterstützen kann und wie wir sie verantwortungsvoll in den Arbeitsalltag integrieren.

Menschliche Urteilskraft im Zeitalter der KI – Warum Denken mehr ist als Informationsverarbeitung

Wie wir mit den Möglichkeiten und Grenzen künstlicher Intelligenz umgehen, hängt nicht allein von der Technologie ab. Auch unsere Fähigkeit, Informationen einzuordnen und Entscheidungen zu treffen, spielt eine zentrale Rolle.

Genau hier setzte Marcel van de Wal, Psychologe M.Sc., mit seinem Vortrag „Menschliche Urteilskraft im Zeitalter der KI – Warum Denken mehr ist als Informationsverarbeitung“ an.

Wenn Maschinen immer mehr Informationen verarbeiten und Aufgaben übernehmen können, wird es umso wichtiger, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und Zusammenhänge zu erkennen. Denn eine technisch überzeugende Antwort ist nicht automatisch die richtige und eine schnelle Entscheidung nicht zwangsläufig eine gute.

Der Vortrag ergänzte damit die Diskussion über KI-Agenten um eine wichtige Perspektive: Logik interessiert sich nicht für Wahrheit und genau das, müssen wir auch bei der Verwendung von KI beachten. Technologie kann uns unterstützen, Arbeit erleichtern und neue Möglichkeiten schaffen. Die Verantwortung dafür, wie wir ihre Ergebnisse bewerten und welche Entscheidungen wir daraus ableiten, bleibt jedoch bei uns.

EUDI Wallet und Business Wallet: Was bedeutet das für die Touristik?

Auch digitale Identitäten standen auf dem Programm. In ihrem Vortrag „The EUDI Wallet and the European Business Wallet. How will this impact the travel industry?“ gab Annet Steenbergen Einblicke in die European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) und die European Business Wallet und zeigte auf, warum diese Entwicklungen für die Reisebranche relevant werden könnten.

Dabei geht es um mehr als eine digitale Version des Personalausweises. Wallet-Lösungen sollen es ermöglichen, Identitäten und bestimmte Eigenschaften digital nachzuweisen und Informationen gezielt weiterzugeben. Der entscheidende Gedanke dahinter: Nutzerinnen und Nutzer sollen nur die Daten teilen müssen, die für einen bestimmten Zweck tatsächlich erforderlich sind.

Ein einfaches Beispiel ist der Altersnachweis. Statt das vollständige Geburtsdatum offenzulegen, könnte es genügen, digital zu bestätigen, dass eine Person über 18 Jahre alt ist. Das kann Abläufe vereinfachen und gleichzeitig dazu beitragen, persönliche Daten besser zu schützen.

Die EUDI Wallet bezieht sich dabei auf die digitale Identität von Personen. Die Business Wallet richtet den Blick auf Unternehmen und die Frage, welche Organisation hinter einer digitalen Handlung steht und wer berechtigt ist, für sie zu handeln.

Für die Touristik könnten solche Lösungen in unterschiedlichen Bereichen interessant werden, etwa bei Zahlungen, Authentifizierungsprozessen oder im Austausch zwischen Unternehmen. Welche Anwendungen sich durchsetzen und wie sie in bestehende Abläufe integriert werden können, war auch Thema der anschließenden Diskussion.

Zwei Tage, viele Perspektiven und ein gemeinsamer Blick nach vorn

Das VIR Austauschmeeting 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie vielfältig die Themen sind, die unsere Branche bewegen. Von rechtlichen Veränderungen über den Einsatz autonomer KI-Agenten bis hin zu digitalen Identitäten wurde deutlich: Die Zukunft der Touristik wird von neuen Möglichkeiten geprägt sein – aber auch davon, wie verantwortungsvoll und durchdacht wir mit ihnen umgehen.

Genauso wichtig wie die fachlichen Impulse waren die Gespräche zwischendurch, das Teilen eigener Erfahrungen und die Möglichkeit, Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Genau dieser Mix macht den Austausch innerhalb der VIR-Community so wertvoll.

Ein großes Dankeschön an die HanseMerkur für die Gastfreundschaft, an alle Referentinnen und Referenten für ihre spannenden Beiträge und natürlich an alle Teilnehmenden, die das Meeting mit ihren Fragen, Ideen und Erfahrungen bereichert haben.

Wir nehmen viele Denkanstöße mit und freuen uns darauf, die Themen gemeinsam weiterzuverfolgen!