Rückblick: Die 4. TIC & VIR Travel Start-up Night 2026 in München
Wenn aus kleinen Problemen große Ideen werden
Ein Hotelzimmer bleibt leer, obwohl es eigentlich genau der richtige Gast buchen könnte. Zufriedene Gäste verlassen ein Restaurant, ohne eine Bewertung zu hinterlassen. Und eine Reise mit mehreren Personen wird schnell zur Geduldsprobe, wenn Zugverbindungen, Tickets und Hotelbuchungen einzeln organisiert werden müssen.

Begrüßung TIC & VIR Start-up Night durch Tim Schmidt (General Manager & Chief Business Development Officer von Redion), Michael Buller (VIR Vorstand) und Armin Brysch (TIC Vizepräsident)
Das sind keine großen Zukunftsfragen. Es sind die kleinen Herausforderungen, die im Reisealltag Zeit kosten, Gäste frustrieren und Betriebe vor Probleme stellen. Genau hier setzen neue Ideen an.
Wie solche Lösungen aussehen können, zeigte sich am 22. Oktober bei der vierten VIR & TIC Start-up Night 2026 in München. Bei Gastgeber Redion trafen Menschen aus der Tourismusbranche auf Gründer und Gründerinnen, die sich ganz unterschiedlichen Fragen widmen: Wie lassen sich Hotelzimmer besser vermarkten? Wie wird aus Gästefeedback ein echter Vorteil? Und wie kann Technologie das Reisen einfacher machen, statt es noch komplizierter werden zu lassen?
Nach der Begrüßung des TIC & VIR hat Tim Schmidt, General Manager & Chief Business Development Officer von Redion, die Bühne übernommen.
Viele kennen das Unternehmen unter Europ Assistance als Anbieter von Reiseversicherungen und Assistance-Leistungen. 2026 ist daraus die globale Marke Redion geworden. Dahinter steckt mehr als ein neuer Name: Redion führt die Kompetenzen und die langjährige Erfahrung von Europ Assistance und Generali Employee Benefits zusammen. Ziel ist es, Assistance, Reiseversicherung und Mitarbeiterbenefits unter einer gemeinsamen globalen Marke zu bündeln.
Die Zukunft des Reisens ist nicht nur digital
Mit diesem Thema beschäftigte sich die Keynote von Christian Müller, CPO und Co-Founder von Onsai. Die Digitalisierung schreitet voran, künstliche Intelligenz verändert Arbeitsabläufe und wirft neue Fragen auf: Wie wird unsere Zukunft aussehen? Welche Aufgaben werden künftig von Maschinen übernommen, und welche Rolle bleibt dem Menschen?

Keynote Christian Müller von Onsai
Für den Tourismus ist das eine besonders spannende Entwicklung. Denn Reisen bedeutet mehr als die Suche nach einem passenden Angebot, eine Buchungsbestätigung oder einen möglichst reibungslosen Ablauf. Menschen reisen auch, um andere Menschen kennenzulernen, neue Orte zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln, die sich nicht vollständig automatisieren lassen.
Die zentrale Botschaft: So sehr sich die Branche durch neue Technologien verändern wird, der Tourismus bleibt ein Geschäft von und für Menschen. KI kann Abläufe vereinfachen und neue Möglichkeiten schaffen. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt wird und ob dabei das Reiseerlebnis selbst im Blick bleibt.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ging es zu den fünf Start-up-Pitches. Ihre Ideen waren unterschiedlich, doch alle setzten an einer konkreten Herausforderung im Tourismus an.
3, 2, 1… Pitch
OPINSTAR: Wenn zufriedene Gäste ihre Meinung für sich behalten
Wer ein Restaurant oder Hotel auswählt, schaut häufig zuerst auf die Bewertungen im Internet. Ein guter Ruf kann den Ausschlag geben, ein mittelmäßiger Sterne-Durchschnitt dagegen potenzielle Gäste kosten. Dabei erzählen Onlinebewertungen nicht immer die ganze Geschichte: Viele zufriedene Gäste gehen nach ihrem Besuch einfach nach Hause, ohne eine Rezension zu schreiben.

Pitch Rafal Bettio von OPINSTAR
Genau an diesem Punkt setzt OPINSTAR an. Gründer Rafael Bettio bringt zehn Jahre Erfahrung aus der Gastronomie mit und kennt die Bedeutung des ersten Eindrucks. Seine Lösung soll Unternehmen dabei helfen, mehr echte Google-Bewertungen zu erhalten und ihre Online-Reputation gezielt zu stärken.
Dafür kombiniert OPINSTAR digitale Bewertungsdisplays mit NFC- und QR-Technologie sowie einer Software, die Unternehmen bei ihrer Bewertungsstrategie unterstützt. Auch Antworten auf Rezensionen lassen sich automatisieren – abgestimmt auf den Ton der jeweiligen Marke. Bei kritischen Rückmeldungen bleibt der Mensch gefragt.
Das Ziel geht über eine höhere Sternebewertung hinaus: Bewertungen sollen für potenzielle Gäste zu einem sichtbaren Vertrauenssignal werden. Denn wer online nach einem Restaurant oder Hotel sucht, entscheidet oft schon vor dem ersten persönlichen Kontakt, ob ein Betrieb infrage kommt.
Saisonist: Die richtigen Gäste erreichen, bevor das Zimmer leer bleibt
Saisonale Schwankungen gehören für viele Hotels zum Alltag. In manchen Wochen sind die Zimmer ausgebucht, in anderen bleibt die Nachfrage deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dann greifen Betriebe häufig zu Rabatten, verschicken allgemeine Newsletter oder verlassen sich auf Buchungsplattformen und zahlen dafür mitunter hohe Provisionen.

Pitch Alessa Schuhmacher von Saisonist
Saisonist möchte Hotels helfen, ihre Nachfrage gezielter zu steuern. Das Unternehmen versteht sich als digitales Marketingteam für unabhängige Hotels und verbindet Datenanalyse mit KI-gestützter Personalisierung. Dabei betrachtet die Lösung nicht nur den einzelnen Gast, sondern auch das Hotel, die Destination und äußere Einflüsse wie Ferienzeiten, Wetter oder Veranstaltungen.
Aus diesen Informationen soll sich ableiten lassen, welche Gäste gerade besonders gut zu einem Angebot passen könnten. Saisonist erstellt darauf aufbauend personalisierte Marketingkampagnen im Stil des jeweiligen Hotels, die das Team vor dem Versand prüfen und freigeben kann. Statt möglichst viele Menschen mit derselben Botschaft anzusprechen, geht es darum, die richtigen Gäste zum passenden Zeitpunkt zu erreichen – und freie Zimmer möglichst mit Direktbuchungen zu füllen.
Swisper: Der Assistent für die nächste Reise
Eine Geschäftsreise für Gruppen zu organisieren, kann erstaunlich aufwendig sein. Einige fahren mit dem Zug, andere mit dem Auto. Die Abfahrtsorte unterscheiden sich, es gibt verschiedene Rabattkarten, passende Verbindungen müssen gefunden und Hotelzimmer gebucht werden. Ändert sich unterwegs ein Fahrplan, beginnt die Suche unter Umständen von vorn.

Pitch Dr. Christian Koeppel von Swisper
Swisper will genau diesen Aufwand reduzieren. Der KI-gestützte Reiseassistent ermöglicht es, Reisen in einem Chat zu planen und Buchungen direkt über angebundene Anbieter abzuwickeln. Statt zwischen Fahrplänen, Ticketshops und Hotelplattformen hin- und herzuwechseln, sollen Reisende ihre Wünsche in einem Gespräch bündeln können.
Die Herausforderung liegt dabei nicht nur darin, eine Verbindung zu finden. Gerade bei mehrteiligen Reisen oder Gruppen müssen zahlreiche Details zusammenpassen. Swisper setzt deshalb auf eine Planung, die unterschiedliche Reiseabschnitte, Anbieter und persönliche Vorlieben berücksichtigen kann.
Seit August 2026 ist die Lösung nach den Angaben des Unternehmens mit der SBB für die Planung und den Kauf von Zugreisen im Chat verfügbar. Eine Zusammenarbeit mit PostFinance, die Zug und Hotel in einer gemeinsamen Buchung verbinden soll, ist für November 2026 vorgesehen.
urbitum: Damit der Koffer nicht den Reiseplan bestimmt
Die Anreise ist geschafft, aber das Hotelzimmer ist noch nicht verfügbar. Oder der Check-out liegt bereits hinter einem, während die Rückreise erst Stunden später beginnt. Für Reisende stellt sich dann eine ganz praktische Frage: Wohin mit dem Koffer, wenn man die Zeit noch nutzen möchte?

Pitch Christian Wolf von urbitum
urbitum macht die Gepäckaufbewahrung zum digitalen Service. Das Berliner Unternehmen plant, finanziert und betreibt Gepäckinfrastruktur für Hotels. Je nach Standort können die Schließfächer ausschließlich Hotelgästen zur Verfügung stehen, auch öffentlich zugänglich sein oder beide Funktionen erfüllen.
Die Buchung und Nutzung sollen weitgehend selbstständig funktionieren. Für Hotels bedeutet das, dass sich Mitarbeitende an der Rezeption weniger um die Gepäckaufbewahrung kümmern müssen. Zugleich kann aus einer bislang eher nebensächlichen Serviceleistung ein zusätzliches Angebot werden.
urbitum übernimmt dabei nicht nur die Installation. Das Unternehmen kümmert sich auch um Konzeption, Finanzierung, Bezahlung, Wartung und Betrieb einschließlich eines 24-Stunden-Supports. Die Zusammenarbeit mit den Hotelpartnern basiert auf einem Pay-per-use-Modell mit Umsatzbeteiligung.
Der Ansatz macht deutlich, dass Innovation nicht immer eine neue App oder ein komplexer digitaler Prozess sein muss. Manchmal reicht es, eine alltägliche Unannehmlichkeit zu erkennen und daraus einen Service zu entwickeln, der Gästen hilft und sich für Betriebe rechnet.
weguide: Eine Destination auf eigene Faust entdecken
Nicht jede Reise braucht eine geführte Tour mit festem Zeitplan. Viele Menschen möchten eine Stadt oder Sehenswürdigkeit im eigenen Tempo erkunden, dabei aber trotzdem mehr erfahren als das, was auf einem Hinweisschild steht.

Pitch Sören Loos von weguide
weguide bietet eine Plattform für digitale Reiseführer. Städte, Sehenswürdigkeiten, Destinationen und lokale Anbieter können darüber eigene Inhalte veröffentlichen und vermarkten. Daraus entstehen beispielsweise thematische Touren, Sammlungen interessanter Orte oder Rundgänge, die sich bequem auf dem eigenen Smartphone nutzen lassen.
Die Inhalte können Audio, Video und interaktive Elemente verbinden. An passenden Stationen lassen sich Informationen GPS-gestützt automatisch abspielen. So können Besucherinnen und Besucher ihre Umgebung erkunden, ohne ständig auf das Display schauen oder sich an eine feste Gruppe anschließen zu müssen.
Ein Beispiel aus der Präsentation verdeutlichte das Potenzial: Eine digitale Tour durch ein UNESCO-Welterbe kann Besucher über den öffentlichen Nahverkehr zu verschiedenen Stationen führen, statt dafür einen eigenen Bus samt Personal bereitzustellen. Das nutzt vorhandene Infrastruktur und eröffnet neue Möglichkeiten, Inhalte zugänglich zu machen.
Für Destinationen und lokale Anbieter bietet die Plattform außerdem die Chance, Wissen und Geschichten zu teilen und damit eigene digitale Angebote aufzubauen.
Fünf Start-ups, fünf Ansätze und neue Möglichkeiten für den Tourismus

VIR Vorstand Michael Buller (links) mit Rafael Bettio (OPINSTAR), Christian Koeppel (Swisper), Alessa Schuhmacher (Saisonist), Sören Loos (weguide), Christian Wolf (urbitum) und TIC Vizepräsident Armin Brysch
Die fünf Pitches haben unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. OPINSTAR möchte Vertrauen durch Bewertungen sichtbarer machen. Saisonist hilft Hotels, ihre Marketingaktivitäten stärker auf die passende Nachfrage auszurichten. Swisper vereinfacht die Planung und Buchung von Reisen. urbitum organisiert die Gepäckaufbewahrung neu, während weguide Destinationen und Sehenswürdigkeiten digital erlebbar macht.
Was die Ansätze verbindet, ist ihr Blick auf konkrete Probleme. Im Mittelpunkt stehen Situationen, in denen Gäste einen besseren Service brauchen oder touristische Betriebe ihre Abläufe und Angebote verbessern können.
Die Abstimmung des Publikums brachte Saisonist auf den 1. Platz und damit den Einzug ins große TIC & VIR Start-up Night Finale 2026. Den zweite Platz holte sich Swisper. Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner des gestrigen Start-up Night Finales!
Doch der Wert eines solchen Abends liegt nicht allein in der Platzierung. Die Pitches geben auch Einblicke in die Fragen, mit denen sich junge Unternehmen beschäftigen und bieten Anlass, Ideen weiterzudenken, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen aus der Branche einzubringen.
Ein herzliches Dankeschön an unseren Gastgeber Redion sowie an die fünf Start-ups und an alle Gäste, die die VIR & TIC Start-up Night in München mit ihren Ideen, Fragen und Gesprächen bereichert haben.
























