Rückblick: Das war die 3. TIC & VIR Travel Start-up Night 2026 in Wien
Fünf Start-ups, fünf Perspektiven auf die Zukunft des Tourismus
Bei der TIC & VIR Travel Start-up Night am 28. September 2026 wurde im Innovation Lab der ÖBB in Wien wieder deutlich, wie vielfältig die Innovationslandschaft im Tourismus ist. Fünf Start-ups präsentierten ihre Geschäftsmodelle vor Publikum, von der Integration von Damen Hygieneartikeln im Hotelzimmer über KI-Concierges bis hin zu datenbasiertem Mobilitätsmanagement.
Zum Auftakt begrüßten Travel Industry Club Tourismus Austria (TICT Austria), der Travel Industry Club Deutschland (TIC) und der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) die Gäste und eröffneten damit den Abend der Travel Start-up Night. Seit mittlerweile zehn Jahren bringt das Format innovative Start-ups mit der Tourismusbranche zusammen und schafft eine Bühne für neue Geschäftsmodelle, Technologien und Ideen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Pitch selbst, sondern auch der direkte Austausch mit potenziellen PartnerInnen, KundInnen und BranchenkollegInnen.
Anschließend begrüßte ÖBB Open Innovation die Gäste als Gastgeber des Abends. Der Veranstaltungsort am Wiener Hauptbahnhof bot dabei einen passenden Rahmen für einen Abend, bei dem es um neue Ideen, technologische Entwicklungen und die Zukunft der Mobilität und des Tourismus ging.
Mit dem ÖBB Open Innovation bietet die ÖBB eine Plattform, auf der neue Lösungen gemeinsam mit Start-ups, Unternehmen und weiteren Partner entwickelt und erprobt werden.
Zwischen EU Inc. und Start-up-Alltag
Bevor die fünf Start-ups schließlich die Bühne betraten und um die Stimmen des Publikums pitchten, standen zunächst zwei Keynotes auf dem Programm, die wichtige Impulse für den Abend lieferten – von den aktuellen Rahmenbedingungen für Gründer bis hin zu persönlichen Erfahrungen aus der Start-up-Welt.
Den Anfang bildete Kinstellar mit einem Vortrag zur geplanten europäischen Gesellschaftsform „EU Inc.“. Hartwig Kienast beleuchtete die Frage, ob die neue Rechtsform tatsächlich mehr Freiheit für Start-ups bringen könnte oder am Ende vor allem ein neues Label bleibt.
EU Inc. verspricht unter anderem eine digitale Gründung innerhalb von 48 Stunden, kein Mindestkapital und eine stärkere Vergleichbarkeit innerhalb der EU. Gleichzeitig bleiben zentrale Bereiche wie Steuer-, Arbeits- und Sozialversicherungsrecht weiterhin national geregelt. Auch die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung sind noch offen. Als österreichische Alternative gibt es mit der FlexCo bereits heute eine Rechtsform, die Start-ups mehr Flexibilität gegenüber der klassischen GmbH bietet.
Anschließend wurde der Blick auf die Start-up-Welt selbst gelenkt: Ronja Scherzinger von FashionTouri berichtete von ihren Erfahrungen mit den Travel Start-up Nights im vergangenen Jahr, von ihrer Teilnahme in München bis zu ihrem dritten Platz im großen Finale. Als ehemalige Teilnehmerin konnte sie dabei aus erster Hand erzählen, was eine solche Bühne über den eigentlichen Pitch hinaus bewirken kann: neue Kontakte, Kooperationen und wertvolle Sichtbarkeit.
Seit ihrer Teilnahme hat sich bei FashionTouri einiges weiterentwickelt. Ronja berichtete unter anderem von neuen Kooperationspartnern und wichtigen Businessreisen, darunter eine Tour durch China, aus der das junge Unternehmen zahlreiche neue Impulse und Kontakte mitnehmen konnte. Für FashionTouri waren die TIC & VIR Travel Start-up Nights damit ein wichtiger Booster für die eigene Entwicklung und Vernetzung – und gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, wie nachhaltig die Start-up-Community über einen einzelnen Pitch-Abend hinaus wirken kann.
3, 2, 1… Pitch
FemSupply: Eine neue Amenity für das Hotelzimmer
Den ersten Pitch des Abends übernahm Shari Zand, Gründerin von FemSupply. Ihre Idee ist auf den ersten Blick sehr einfach, trifft aber einen bislang wenig beachteten Bedarf: Tampons und Binden sollen im Hotelzimmer genauso selbstverständlich verfügbar sein wie andere Amenities.
FemSupply entwickelt dafür designorientierte Spendersysteme, die sich in hochwertige Hotelbäder integrieren lassen. Für Hotels kombiniert das Modell den einmaligen Verkauf der Spender mit wiederkehrenden Umsätzen durch die passenden Nachfüllprodukte. Die Vision: Damen Hygieneartikel könnten im Hotel einen ähnlichen Weg gehen wie einst kostenloses WLAN – vom Differenzierungsmerkmal hin zu einem Standard, dessen Fehlen Gäste irgendwann bemerken.
Majourny: KI als virtuelles Teammitglied
Danach stellte Fabian Pischinger, Co-Founder von Majourny, eine Lösung für ein Problem vor, das viele Hotels unmittelbar betrifft: steigende Gästeerwartungen treffen auf Personalmangel und eine Vielzahl manueller Prozesse.
Majourny verbindet AI-Concierge, automatisiertes Upselling und interne Teamkoordination in einer Plattform. Die KI beantwortet Gästeanfragen rund um die Uhr, während Housekeeping, Maintenance und andere interne Abläufe digital koordiniert werden können.
Interessant ist dabei die Verbindung von Service und Wirtschaftlichkeit: In einem Beispiel für ein 50-Zimmer-Hotel rechnet Majourny mit bis zu 60 eingesparten Arbeitsstunden pro Monat und rund 4.890 Euro zusätzlichem Monatsumsatz durch automatisiertes Upselling. Erste Traktion ist ebenfalls vorhanden: Das Start-up konnte bereits drei Pilotkunden gewinnen und 50.000 Euro bezahlte Entwicklungsleistung erzielen.
Neural Natives: Der Concierge kommt über WhatsApp
Weiter ging es mit Heinz Eckert und Patrick Hohenecker, den Co-Foundern von Neural Natives. Ihr KI-Concierge Entirely setzt auf einen Kanal, den Gäste ohnehin kennen: WhatsApp.
Der Concierge beantwortet Fragen, hilft bei der Tagesplanung und kann Erinnerungen oder Updates verschicken. Der eigentliche Clou liegt aber in der Verbindung mit Upselling: Aus dem Gespräch heraus können passende Zusatzangebote vorgeschlagen und direkt gebucht werden – vom Late Check-out über Spa-Anwendungen bis hin zu Restaurantreservierungen. Die Buchung wird dabei automatisiert über die bestehenden Systeme abgewickelt.
Dass der Ansatz bereits Praxiserfahrung hat, zeigte das Beispiel der Wiener Functional-Fitness-Kette ZONE: Dort ist Entirely bereits an drei Standorten im Einsatz und verzeichnete laut Pitch mehr als 100 erfolgreiche Buchungen sowie eine User-Bewertung von 4,8 von 5 Sternen.
touristinfo.ai: KI für ein nachhaltigeres Destinationsmanagement
Mit touristinfo.ai folgte ein Perspektivwechsel: weg vom einzelnen Hotel, hin zur gesamten Destination. Markus Perger, CRO des Start-ups aus Bozen, präsentierte KI-Assistenten, die Gäste vor allem nach der Buchung begleiten.
Die Plattform beantwortet Fragen zu Ausflügen, Wetter, Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und Mobilität und greift dabei auf verifizierte Daten der Destination zurück. Das Ziel ist jedoch nicht nur, Tourist-Infos und Gastgeber zu entlasten. touristinfo.ai möchte mit seinen Assistenten auch dazu beitragen, Gästeströme nachhaltiger zu lenken.
Dafür hat das Unternehmen gemeinsam mit Destinationen eine Nachhaltigkeits-Charta entwickelt, aus der 72 konkrete Regeln in 14 Kategorien entstanden sind. So können beispielsweise lokale Angebote stärker sichtbar gemacht und öffentliche Verkehrsmittel gegenüber dem Auto priorisiert werden.
vionmo: Von Daten zu 1.001 Maßnahmen

Den Abschluss der Pitch-Runde machte Michael Jayasekara, Gründer von vionmo. Das Start-up setzt bei einer oft unterschätzten Herausforderung an: Zwar verfügen Destinationen, Museen und Veranstaltungen über zahlreiche Daten, doch häufig fehlt ein ganzheitliches Bild darüber, wie Gäste tatsächlich anreisen und welche Mobilitätsangebote sie vor Ort nutzen.
Vionmo erhebt diese Informationen direkt bei den Gästen und verschneidet sie mit bestehenden Datenquellen. Dabei geht es beispielsweise um die Herkunft der Besucher, ihre Anreise oder auch die Frage, wie die letzte Meile bis zum Hotel zurückgelegt wird. Gleichzeitig können klassische Statistiken blinde Flecken haben, etwa bei Tagesgästen, Einheimischen oder Menschen, die wenig oder gar kein Auto fahren.
Damit will vionmo den Schritt von der Datensammlung zur tatsächlichen Veränderung schaffen: Daten sollen nicht im Bericht verschwinden, sondern als Grundlage für konkrete Mobilitätsentscheidungen dienen.
Das Publikum entscheidet
Nach den fünf Pitches wurde es nochmal richtig spannend, denn die ZuschauerInnen hatten nun die Möglichkeit für ihren Favoriten abzustimmen. Die Spannung löste sich schließlich bei der Siegerehrung: vionmo sicherte sich den ersten Platz, gefolgt von touristinfo.ai auf Platz zwei.
Für vionmo geht es damit am Ende des Jahres ins Finale mit der Chance auf den Titel „Travel Start-up 2026“ sowie auf ein Preispaket im Wert von insgesamt 100.00 EUR.
Ein großes Dankeschön an TIC Austria für die Unterstützung und die gemeinsame Organisation dieses inspirierenden Abends. Ebenso bedanken wir uns ganz herzlich bei unserem Gastgeber ÖBB Open Innovation, der uns in Wien die perfekte Bühne für den Austausch zwischen Start-ups, Tourismus und Innovation geboten hat. Und natürlich gilt unser Dank vor allem den fünf Start-ups für ihre spannenden Pitches sowie allen Gästen und Zuschauern, die vor Ort dabei waren, mitgefiebert, abgestimmt und diskutiert haben. Genau dieser Austausch macht die Travel Start-up Night aus und wir freuen uns schon auf die nächsten Ideen, Begegnungen und Innovationen!






































