VIR Start-ups live beim fvw Elevator-Pitch
Travel-Start-ups: Die Ideen sind da. Aber wie schaffen wir daraus erfolgreiche Unternehmen?
Mit Banaki, Travee und spotAR waren heute gleich drei Mitglieder aus unserem VIR Start-up Cluster zu Gast in einer Live-Session der fvw. Drei Unternehmen, drei sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle und gleichzeitig ein ziemlich gutes Bild davon, was sich gerade in der Travel-Tech-Szene verändert.
Banaki will einen Markt digitalisieren, in dem Online-Buchbarkeit noch längst keine Selbstverständlichkeit ist. Aus Camping wird dabei ein deutlich größeres Thema: digital buchbarer Natururlaub – vom klassischen Stellplatz bis zu Glamping und Mietunterkünften.
Travee denkt KI entlang der gesamten Customer Journey: von Inspiration und Planung über die Buchung bis zum persönlichen Reisebegleiter vor Ort. Die Vision geht noch weiter: ein autonomer Reiseagent, der nicht nur empfiehlt, sondern Aufgaben tatsächlich übernimmt.
Und spotAR zeigt, wie Augmented Reality Destinationen und ihre Geschichte auf neue Weise erlebbar machen kann – inzwischen in rund 20 Städten, browserbasiert und ohne zusätzliche App.
So unterschiedlich die drei Unternehmen sind, in der anschließenden Diskussion wurden einige Entwicklungen deutlich, die wir auch im VIR Cluster Start-up sehr intensiv beobachten.
Das Gründen selbst verändert sich gerade fundamental.
KI senkt die technischen Eintrittsbarrieren erheblich. Morris Mehnert von Banaki hat dafür ein bemerkenswertes Beispiel genannt: In seinem Businessplan hatte er vor zwei Jahren noch mit einem Entwicklerteam von sechs Personen kalkuliert. Heute sagt er, dass sich vergleichbare Entwicklungsleistungen mit „ein oder zwei Leuten“ umsetzen lassen.
Auch Viktor Waal von spotAR beschreibt einen ähnlichen Effekt. Sein Ansatz lautet derzeit: erst die vorhandenen Mitarbeiter mit den richtigen KI-Tools produktiver machen, bevor weitere Mitarbeiter eingestellt werden.
Das ist eine enorme Chance. Start-ups können schneller entwickeln, mit kleineren Teams arbeiten und länger bootstrappen.
Aber daraus entsteht gleichzeitig ein neues Problem: Technologie allein ist immer weniger der entscheidende Wettbewerbsvorteil.
Wenn Produkte schneller und günstiger gebaut werden können, werden andere Faktoren wichtiger: Zugang zum Markt, Distribution, Daten und Content, Partner und vor allem Kunden.
Und genau hier liegt aus unserer Sicht eine der größten Herausforderungen für Travel-Start-ups.
Denn das Finanzierungsumfeld ist deutlich schwieriger geworden.
Nach Zahlen von Phocuswright wurden im Rekordjahr 2021 weltweit rund 16,3 Milliarden US-Dollar in Travel-Start-ups investiert. 2024 waren es nur noch 5,8 Milliarden Dollar. 2025 bezeichnet Phocuswright das Finanzierungsumfeld weiterhin als ausgesprochen schwierig.
Das war auch in unserer Runde spürbar: Alle drei vorgestellten Unternehmen setzen derzeit stark auf Bootstrapping.
Travee brachte noch einen weiteren Punkt in die Diskussion ein: Der Venture-Capital-Markt für Travel sei gerade in Deutschland und Europa schwierig. Junge europäische Unternehmen müssten deshalb teilweise außerhalb Europas nach Kapital suchen.
Das sollte uns zu denken geben. Denn wenn wir innovative Unternehmen in Europa aufbauen wollen, müssen wir auch Rahmenbedingungen schaffen, unter denen sie hier wachsen können.
Kapital ist dabei aber nur ein Teil der Antwort.
Mindestens genauso wichtig ist die etablierte Touristik. Wir haben deshalb in der Session eine Frage diskutiert, die wir als VIR gerne noch viel stärker in die Branche tragen möchten:
Muss ein etabliertes Unternehmen immer gleich Investor eines Start-ups werden oder könnte es zunächst einmal Kunde werden?
Ein Auftrag kann enorm viel bewirken.
Ein Pilotprojekt. Eine Schnittstelle. Zugang zu Inventar oder Content. Eine gemeinsame Produktentwicklung. Eine Vertriebspartnerschaft. Oder manchmal einfach die richtige Tür, die jemand öffnet.
Genau diese Offenheit wünschen sich die Start-ups.
Morris Mehnert berichtete beispielsweise, dass bereits mehr als 30 Campingunternehmen sein Konzept finanziell unterstützt hatten, noch bevor die Plattform überhaupt gestartet war. Für ihn war das ein wichtiges Signal: Der Markt sieht einen Bedarf.
Auch Travee erlebt Interesse aus der etablierten Touristik, von Reisebüros bis zu Reiseveranstaltern, die den KI-Reisebegleiter perspektivisch für ihre eigenen Kunden einsetzen möchten.
Und spotAR arbeitet längst nicht mehr nur mit Destinationen. Auch Unternehmen nutzen die Technologie, um neue Erlebnisse und Kundenkontakte zu schaffen.
Das zeigt: Start-up und etablierte Touristik sind keine Gegensätze. Im Gegenteil. Beide Seiten können voneinander profitieren.
Was allerdings nicht funktionieren kann, sind Erwartungen, dass ein Start-up erst einmal über Monate kostenlos beweisen soll, ob seine Technologie funktioniert.
Ein junges Unternehmen hat weder die personellen noch die finanziellen Möglichkeiten, sechs Monate kostenlos Kapazitäten für einen Test bereitzustellen. Wer Innovation möchte, muss deshalb auch bereit sein, für Innovation zu bezahlen.
Genau hier setzt unser VIR Cluster Start-up an.
Wir wollen junge Unternehmen möglichst schnell in die touristische Wertschöpfung integrieren.
Dazu gehören unser regelmäßiger Austausch untereinander, die VIR Start-up Week, Informationen und Erfahrungsaustausch, etwa zu Fördermöglichkeiten sowie Sichtbarkeit auf Veranstaltungen und der ITB. Genauso, wie Kontakte zu etablierten Unternehmen und manchmal auch ganz pragmatisch: eine Tür zu öffnen, wenn ein Start-up den richtigen Ansprechpartner braucht.
Unser Anspruch ist dabei nicht, Start-ups dauerhaft in einer eigenen „Start-up-Welt“ zu halten. Im Gegenteil.
Aus einem Travel-Tech-Start-up soll möglichst schnell ein selbstverständlicher Teil der Touristik werden.
Denn gerade jetzt brauchen wir diese Unternehmen.
Große Unternehmen können enorm innovativ sein. Aber mit zunehmender Größe werden Experimente häufig schwieriger, Entscheidungswege länger und das Risiko eines Scheiterns teurer.
Start-ups können dagegen Dinge ausprobieren, neue Technologien testen und Geschäftsmodelle infrage stellen, ohne zunächst bestehende Strukturen schützen zu müssen.
Eine innovative Touristik braucht deshalb beides: starke etablierte Unternehmen und ein lebendiges Start-up-Ökosystem.
Und dieses Ökosystem braucht Kapital, Kunden, Netzwerke und Sichtbarkeit.
Deshalb ein großes Dankeschön an die fvw, die jungen Unternehmen aus unserer Branche immer wieder ganz bewusst diese Bühne gibt.
Denn Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck.
Aus Sichtbarkeit entstehen Gespräche.
Aus Gesprächen entstehen Kooperationen.
Aus Kooperationen entstehen Aufträge.
Und aus Aufträgen können erfolgreiche Unternehmen entstehen.
Wenn wir mehr Innovation in der Touristik wollen, müssen wir denjenigen, die sie entwickeln, auch die Chance geben, damit erfolgreich zu werden.
Die vollständige Aufzeichnung der Session finden Sie auf der Website der fvw.
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