Michis Thema der Woche: Was in uns steckt

Michael Buller, Vorstand des VIR (Verband Internet Reisevertrieb)

Michael Buller, Vorstand des VIR (Verband Internet Reisevertrieb)

Der VIR hat seit vielen Jahren mit der Start-up Szene zu tun und das nicht nur, weil die meisten unserer Mitglieder ursprünglich als Start-up gestartet sind oder weil wir seit vielen Jahren den VIR Innovationswettbewerb Sprungbrett veranstalten. Vielmehr jedoch, weil viele Ideen und Trends aus der Start-up Szene in Kürze auch die „etablierte“ Industrie prägen werden.

Der Entwicklung ist oft schleichend, aber wenn man die Einflussnahme einiger Start-ups rückblickend über einen längeren Zeitraum betrachtet, stellt man fest, dass sie erheblichen Einfluss auf Industrie und Gesellschaft hatten. Google ist sicherlich eines der prominentesten Beispiele und im Bewusstsein Aller, denn es gab eine Zeit vor der Suche über den Google „Suchschlitz“. Heute ist es undenkbar, dass wir das nicht können!

Das Potential für eine gute Idee steckt tatsächlich in den Meisten von uns! Ich selber durfte vor Jahren mit Holiday Autos ein Teil eines Start-ups sein (obwohl es 1990 noch nicht Start-up hieß,  waren wir eines). Alles neu zu erfinden und von der grünen Wiese etwas kundenzentriertes und absolut lösungsorientiertes zu entwickeln, hatte Erfolg und machte unglaublich Spaß. Die meisten Produktbestandteile aus dem heutigen Ferienmietwagen (und wie einfach dieses geworden ist), hat das Team von Holiday Autos damals entwickelt und im Markt durchgesetzt. Dies hat noch heute Bestand.

Vor zwei Jahren durfte der VIR einen Projektkurs der IUBH Bad Reichenhall übernehmen. Ziel und Idee war es, anhand eines virtuellen Start-ups alle Aspekte durchzugehen, die notwendig sind, um ein Unternehmen auszubauen und zu führen. Also von der Entwicklung der Idee, über den Businessplan hin zum Marketing und Vertrieb. Das erstaunliche damals war, dass der Prozess der Ideenentwicklung sehr schnell von statten ging und die Idee damals so gut war, dass ich mir sicher bin, man hätte dafür sogar eine Finanzierung gefunden.

Auch bei einer Jahrestagung einer Reisebürokette vor einigen Jahren durfte ich als Coach zwei Gruppen (von 14)  begleiten, denen ein Ipad  in die Hand gedrückt und eine Aufgabe gestellt wurde. Die Aufgabe bestand darin, die Destination oder das Hotel vorzustellen.  Daraus sollten sie dann selbständig etwas entwickeln. Auch hier wurden zwei wirklich gute Ideen in kürzester Zeit entwickelt. Auch die Umsetzung war grandios, neben dem, dass der Einsatz und die Begeisterung der Gruppen unglaublich waren.

Der Film Nörgelman wurde in einer der beiden Gruppen entwickelt. Er stellt auf lustige Weise das Hotel und seine Vorzüge vor. Die zweite Gruppe stellte mit einem netten Film unter dem Motto „Kiss the Destination“ die Destination vor. In diesem wurde alles geküsst, was eben typisch für eine Destination war – sogar ein Stier! Beide Ideen wurden von Gruppen entwickelt und umgesetzt, die sich untereinander kaum kannten. Dies zeigt, wie einfach es eigentlich ist, eine gute Idee zu entwickeln und daraus etwas zu machen.

Gestern war ich wiederum eingeladen beim Master Forum Tourismus der Hochschule München. Das Thema war Start-ups im Tourismus – Die Suche nach dem Erfolgskonzept. Drei junge Gründer hielten Vorträge: Gerd Hartmann von Pizza Innovazione, Oliver Nützel von Regiondo und Daniel Krauss von FlixBus. Was mich am meisten fasziniert hat, war, dass keiner der Gründer aus der Branche kam, in der er jetzt tätig ist. Gerd Hartmann sprach zum Beispiel sehr amüsant darüber,  wie er (neben vielen weiteren Hürden) lernen musste, Pizza zu machen, obwohl das ja ein wichtiger Grundstein seiner Idee ist. Es zeigt, dass die Lösung eines Kundenproblems im Vordergrund stand und man vermutlich mit einer gewissen Blauäugigkeit gut voran kommt (und manchmal auch damit, nicht alle Unwägbarkeiten zu kennen). Alle Verläufe der 3 Start-ups waren darüber hinaus auch nie geradlinig und zwei von ihnen waren sogar so flexibel, von ihrem Urgeschäftsmodell abzuweichen, was übrigens nicht ungewöhnlich im Start-up Bereich ist.

Wer übrigens wissen will ob man die Suche nach dem Erfolgskonzept an diesem Abend erstellen konnte (praktisch eine Erfolgsformel für Gründer), nun ein eindeutige gibt es nicht! Mögliche Erfolgsfaktoren können sein:  Mut, Kundenorientierung, Fokussierung und das Team. 

Nicht jede Idee ist brillant und auch nicht jede Idee wird die Welt verändern. Was jedoch alle Start-ups vereint, ist der Mut es zu probieren und umzusetzen.

Schnell ist man dabei und schreit nach Unterstützung vom Staat für Gründer! Der hat das Thema Start-ups übrigens durchaus in seine Digitale Agenda aufgenommen und hat ebenso auch einige Programme dazu ins Leben gerufen. Aber es fängt beim Ideenentwickler selber an, seine Ideen nämlich dann auch in die Tat umzusetzen und auch Risiken dabei einzugehen, yes you can – aber trauen musst du dich eben!

Auch muss die Industrie, also die etablierten Unternehmen, den Mut haben,  in junge Unternehmen und ihre Ideen zu investieren. Andere Branchen als die Touristik , in der es gerade mal eine Handvoll an Unternehmen gibt  die sich aktiv engagieren, sind da schon viel weiter.

Der TIC und der VIR haben es sich zum Ziel gesetzt, dabei voran zugehen und fördern mit eigenen Events die touristische Start-up Szene. Dabei geht es nicht nur darum, einen Preis zu überreichen, sondern auch darum, den Start-ups Mut zu machen, weiter zu gehen sowie ihnen den Zugang zu den etablierten touristischen Unternehmen zu erleichtern, um sich mit diesen zu vernetzen.

Wir sind zusammen mit dem TIC einen Schritt weiter gegangen, da wir der Meinung waren, dass ein Start-up Event pro Verband und Jahr doch etwas zu wenig ist und wir auch unterjährig eine Plattform bieten möchten.

Im März diesen Jahres, gab es dann die erste TIC & VIR „Start-up Night“, bei der sich Start-ups und etablierte Touristikunternehmen aus dem Mitgliederkreis des TIC und VIR treffen konnten. Die Atmosphäre war locker und die gut 40 Teilnehmer führten bis Mitternacht interessante Gespräche untereinander. Was ich daraus lernen konnte, war, dass nicht nur die Vernetzung zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups wichtig ist, sondern, dass sich auch Start-ups untereinander  vernetzen können.

Die nächste TIC & VIR Start-up Night wird am 10. Mai in München im Beach38 stattfinden. Gemeinsam wird ein wenig Beachvolleyball gespielt sowie sich aber auch gegenseitig an der Beachbar ausgetauscht. Dabeisein kann jedes touristische Start-up oder jeder Start-up Szene Interessierte – nur Anmelden muss man sich beim TIC oder VIR, da die Plätze begrenzt sind.

Abschließend glaube ich, dass in Jedem von uns kreatives Potential steckt, das wir nur einfach erwecken müssen. Dafür braucht es manchmal nur Platz und den Mut es zu tun. Auch muss man nicht gleich ein Start-up gründen oder gar ein sogenanntes „Einhorn“ werden, sondern die kleinen kreativen Ideen oder Querdenker, die unsere bestehenden Unternehmen verbessern, sind auch schon ein Erfolg.

Michael Buller
Michael BullerVorstand Verband Internet Reisevertrieb e.V.

TIC & VIR Start-up Night in München

Die nächste TIC & VIR Start-up Night findet am 10. Mai 2016 in München statt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, daher bitten wir um rechtzeitige Anmeldung.

Location: Beach38°
Friedenstraße 22C, München 81671 (S-Bahn/ U-Bahnhaltestelle Ostbahnhof)

www.beach38.de

Beginn der Veranstaltung ist um 18:30 Uhr