Bunt gemischt

10 Dinge, die Sie schon immer über die Fliegerei wissen wollten

img_0240Zwischen Studienabschluss und Start beim VIR habe ich die Sommersaison über als Flugbegleiterin gearbeitet. Da hatten Michi und Lara erst mal viele Fragen, die ich hier zusammengefasst habe 🙂

1. Warum wird die Kabine manchmal zu Start und Landung abgedunkelt?

Das hat – wie fast alle Regeln oder Abläufe in der Fliegerei – einen sicherheitstechnischen Hintergrund. Dieser besagt, dass das Licht in der Kabine immer möglichst den Lichtverhältnissen draußen angepasst wird. Wenn es  also draußen dunkel ist wird zu Start und Landung auch das Kabinenlicht abgedunkelt, denn so wären die Augen im Falle einer Evakuierung bereits an die dunklen Lichtverhältnisse draußen gewöhnt. Passagiere und Crew würden sich so schneller zurechtfinden, als wenn die Augen sich erst vom grellen Kabinenlicht an die Dunkelheit draußen gewöhnen müssten.

2. Was ist der größte Fauxpas, den ein Flugbegleiter begehen kann?

Das Horror-Szenario eines jeden Flugbegleiters (neben einer Notlandung oder einer Notwasserung) ist ganz klar, aus Versehen die Notrutsche zu aktivieren. In der Fliegersprache heißt das „eine Rutsche schießen“. Das Wort „schießen“ trifft es dabei ziemlich gut, denn die Notrutsche bläst sich binnen weniger Sekunden durch eine unheimlichen Kraft auf. Sie schießt also buchstäblich nach außen. Dies ist richtig so, denn im Falle einer Evakuierung zählt jede Sekunde und die Notrutschen müssen daher schnell funktionstüchtig sein. Ist eine Evakuierung jedoch nicht der Fall, ist eine geschossene Rutsche äußerst unangenehm. Allein die Rutsche kostet um die 40.000 €, da sie nur einmal verwendet werden darf. Hinzu kommen die Ausgaben für die Techniker vor Ort und die Kosten für die entstandene Verspätung. Zusätzlich müssen ca. 50 Passagiere wieder ausgeladen werden, denn die Rutsche würde bei einem Notfall auf dem nächsten Flug fehlen. Bei einer Notwasserung, also einer Notlandung auf dem Wasser fungieren die Rutschen übrigens als Schlauchboote.

3. Was machen die Flugbegleiter mit dem Stift an dem roten Bändchen an den Türen?

Diese Frage schließt an Vorhergehende an, denn diese Prozedur soll genau so eine, aus Versehen geschossene Rutsche am Boden verhindern, bzw. eine Evakuierung während des Fluges ermöglichen.

Sobald alle Türen geschlossen sind, kommt aus dem Cockpit ein Kommando. Daraufhin kommt das rote Bändchen mit dem Stift zum Einsatz: Es wird erst aus der Halterung gezogen, der gelbe Hebel wird nach unten gedrückt und der Stift wird unter dem Hebel entweder in ein Mäppchen verpackt oder wieder in eine Halterung gesteckt. Die Türen sind nun so eingestellt, dass beim Öffnen die Rutsche aktiviert würde. Danach erfolgt der „Crosscheck“. Dabei kontrollieren die Flugbegleiter die gegenüberliegende Tür des Kollegen. Hat das Flugzeug nach der Landung seine Parkposition erreicht, erfolgt das Prozedere in umgekehrter Reihenfolge. Dies gilt jedoch nur für Airbus-Flugzeuge. Bei Boeing funktionieren die Türen ein bisschen anders.

4. Sehen Flugbegleiter auch wirklich was von der Welt?

Ja auf jeden Fall! Wenn auch nicht von jeder Stadt, in die sie fliegen. Ich habe dennoch viel mehr gesehen, als ich mir im Vorhinein vorgestellt habe. Man kann jedoch den Großteil der Auslandsaufenthalte nicht mit einer Urlaubsreise vergleichen. Es ist eher ein „Reinschnuppern“ in die jeweilige Stadt oder Destination. Zum Beispiel landet man mittags in einer Stadt, hat dort dann den Nachmittag und den Abend zur Verfügung und wird am nächsten Tag früh morgens wieder vom Hotel abgeholt. Nichtsdestotrotz gibt es vereinzelt auf Langstreckenflügen noch längere Aufenthalte, die bis zu einer Woche andauern. In den 90er Jahren waren solche Wochenstops noch der Normalfall. Auch wenn die meisten Aufenthalte jetzt kurz sind, das Gefühl bezahlt einen Nachmittag am Strand zu verbringen ist unbeschreiblich 🙂

Dies trifft allerdings nicht für die Flugbegleiter aller Airlines zu. Manche Carrier fliegen nur point-to-point-Verbindungen, sodass für die Crew auf der Kurz- und Mittelstrecke keine Übernachtungen vorgesehen sind.

5. Ist der weiße Rauch während des Boardings in der Kabine gefährlich?

Nein, der weiße Rauch, der in der ganzen Kabine gleichmäßig über den Fenstern austritt mag im ersten Moment vielleicht erschreckend wirken, ist jedoch überhaupt nicht gefährlich. Er entsteht nur durch die Klimaanlage. Meist wenn im Turnaround (die Zeit am Boden zwischen dem Aussteigen der alten Passagiere und dem Einsteigen der neuen Passagiere) die Türen offen standen.

6. Warum sind Flugbegleiter zu Start und Landung nicht ansprechbar?

Flugbegleiter müssen während dieser Flugphasen besonders aufmerksam sein. Zu jedem Start gehen sie den sogenannten 30-seconds-review durch. Dabei wiederholt jeder für sich unter anderem folgende Punkte: Führt die Flugstrecke über Wasser oder Land? Was sind meine Notfallkommandos? Welche Passagiere erscheinen mir fit genug um im Notfall zu helfen? Was ist meine Notfalltür und wie evakuiere ich? Wohin leite ich um, wenn meine Tür versperrt sein sollte? Wie reagiere ich, wenn mein Kollege während des Notfalls unter Schock steht? …

7. Besteht bei Turbulenzen ein erhöhtes Risiko für einen Flugzeugabsturz?

Turbulenzen können Anzeichen eines nahenden Flugzeugabsturzes sein. Nein 😉 die größte Gefahr, die von Turbulenzen ausgeht sind Verletzungen durch herumfliegende Gegenstände. Deshalb sollte schweres Handgepäck immer unter dem Vordersitz oder in den overhead compartments verstaut werden. Gab es Turbulenzen während des Fluges, gilt auch Vorsicht beim Öffnen der Gepäckablagen, denn das Gepäck könnte verrutscht sein und einem so direkt entgegenkommen.

8. Wo im Flugzeug wackelt es am meisten?

Je weiter hinten, desto wackliger. Die Flugbegleiter, die hinten im Flugzeug arbeiten bekommen die volle Ladung ab 😉 Passagiere mit Flugangst sollten die letzten Reihen im Flieger also lieber meiden.

9. Wie läuft der Service ab?

Sobald das Flugzeug eine gewisse Höhe erreicht hat und nicht mehr allzu steil ist, werden die Flugbegleiter „released“. Hörbar ist dies durch einen 2-maligen Klingelton in der Kabine. Dann beginnt jeder seinen Trolley aufzubauen, Wasser wird gekocht und Essen wird in den Ofen gegeben. Sobald auch das Cockpit versorgt ist, startet der Service jeweils von den Galleys (den Bordküchen) aus und man arbeitet sich solange durch bis man sich in der Mitte trifft. Dies ist das Standardverfahren, welches zum Beispiele für die A320-Familie verwendet wird. Je nach Passagierzahl und Flugzeugtyp kann jedoch davon abgewichen werden.

10. Gibt es Tipps wie man im Flugzeug am besten einschläft?

Da Alkohol in der Luft besondres schnell anschlägt, macht ein Gläschen Wein über den Wolken noch schneller schläfrig als am Boden 😉

Hier noch ein Tipp für die, die eingeschlafen sind und dann auch weiterschlafen wollen ohne nochmal geweckt zu werden: Sicherheitsgurt für die Flugbegleiter sichtbar tragen und nicht unter einer Jacke oder Decke verstecken! Denn wenn  jetzt die Kabine noch einmal aufgrund aufleuchtender Seatbelt-Signs gecheckt werden muss, müssen die Flugbegleiter Sie nicht extra wecken um den geschlossenen Sicherheitsgurt zu überprüfen.

Fotos: Benedikt Spohr

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