Nix-wie-weg.de – Von der ersten Online-Hochzeitsreise zur KI

Von der ersten Online-Hochzeitsreise zur KI: Was 30 Jahre Reisevertrieb über die Zukunft verraten

– Eine Geschichte von Nicolas Götz (Gründer) –

Als Reisen im Internet noch ein Experiment war

Als www.Nix-wie-weg.de 1996 online ging, war das Internet in Deutschland noch weit von seinem heutigen Stellenwert entfernt. Die meisten Urlaubsreisen wurden im stationären Reisebüro gebucht, Kataloge waren die wichtigste Informationsquelle und viele Menschen hatten noch nie etwas online gekauft. Nicolas Götz war damals Student und hatte gelesen, dass man im Internet nun auch Reisen buchen könne. In der Praxis stellte sich schnell heraus: So richtig ging das noch nicht.

Also entstand die Idee, es selbst zu versuchen. Die ersten Reiseangebote wurden nicht über Schnittstellen importiert, sondern manuell abgetippt. Jeden Freitag wurde der Neckermann-Glückshotel-Katalog in eine Access-Datenbank übertragen. Was heute nach digitaler Steinzeit klingt, war damals ein durchaus ernsthafter Versuch, touristische Angebote im Internet verfügbar zu machen.

Der Pentium 60 und die erste Buchung

Die Technik war begrenzt, viele Abläufe liefen über Telefon, Fax und E-Mail. Von APIs, Cloud-Systemen oder Echtzeitdaten sprach niemand. Wer eine Website betrieb, galt bereits als besonders fortschrittlich.

Der PC, auf dem Nix-wie-weg entstand, existiert übrigens bis heute. Er läuft sogar noch. Es war ein Pentium 60, also ausgerechnet jener Prozessor, der wegen seines Rechenfehlers bekannt wurde. Für den Start eines Online-Reisebüros war das vielleicht nicht die naheliegendste Vertrauensbasis, aber es reichte.

Im Frühjahr 1997 kam dann die erste Online-Buchung. Es war eine Hochzeitsreise auf die Kanaren. Heute klingt das wie eine nette Anekdote. Damals war es ein kleiner Durchbruch. Denn plötzlich zeigte sich, dass Kunden bereit waren, eine der wichtigsten Reisen ihres Lebens über einen digitalen Kanal zu buchen. Nicht nur eine kurze Anfrage, nicht nur ein unverbindliches Interesse, sondern eine echte Reisebuchung.

Die eigentliche Arbeit lag hinter der Website

Rückblickend wird die Digitalisierung der Reisebranche oft auf sichtbare Dinge reduziert: Websites, Suchmasken, Apps oder Buchungsstrecken. Die eigentliche Veränderung spielte sich jedoch hinter den Kulissen ab. Gleichzeitig stiegen die Erwartungen der Kunden. Wer online suchte, erwartete Geschwindigkeit. Wer eine Reise buchen wollte, erwartete trotzdem Sicherheit und persönliche Beratung.

Gerade im Reisevertrieb zeigte sich früh, dass Digitalisierung menschliche Beratung nicht automatisch überflüssig macht. Je größer die Auswahl wurde, desto wichtiger wurde Orientierung. Kunden wollten nicht nur tausende Angebote sehen, sondern verstehen, welches davon wirklich zu ihnen passt. Deshalb bestand ein großer Teil der Digitalisierung nicht darin, Menschen aus Prozessen herauszunehmen, sondern ihnen bessere Werkzeuge an die Hand zu geben.

Ein Blick in den Maschinenraum

Hinter einer scheinbar einfachen Urlaubsanfrage stehen heute zahlreiche Systeme und Entscheidungen: Wohin möchte der Kunde reisen? Welche Region passt wirklich? Welche Hotels kommen in Frage? Welche Veranstalter bieten passende Leistungen? Welche Informationen sind aktuell, welche Preise verfügbar, welche Details beratungsrelevant?

Aus früher manuell gepflegten Katalogdaten wurden Datenbanken, Schnittstellen, CRM-Systeme, Angebotslogiken und Automatisierungen. Sichtbar ist für Kunden am Ende meist nur eine Antwort oder ein Angebot. Unsichtbar bleibt der technische und organisatorische Aufwand dahinter.

Dieser Maschinenraum ist über Jahrzehnte gewachsen. Er besteht nicht aus einer einzelnen großen Plattform, sondern aus vielen kleinen Verbindungen zwischen touristischem Wissen, Kundendaten, Veranstalterinformationen, rechtlichen Anforderungen und Beratungserfahrung. Genau diese Verbindung entscheidet im Alltag darüber, ob digitale Reiseberatung zuverlässig funktioniert.

Warum daraus später adigi entstand

Viele Jahre später entstand 2019 aus dieser praktischen Erfahrung heraus auch adigi. Nicht als akademisches KI-Projekt und nicht als Technologieidee auf dem Reißbrett, sondern aus dem Alltag eines Unternehmens, das seit 30 Jahren mit den Herausforderungen digitaler Reiseberatung arbeitet.

Die Fragen waren über die Jahre immer ähnlich: Wie finden Mitarbeitende schneller die richtigen Informationen? Wie lassen sich wiederkehrende Aufgaben automatisieren? Wie bleibt Beratungsqualität erhalten, wenn Volumen, Datenmenge und Komplexität wachsen?

Klassische Software und Automatisierung konnten diese Fragen nur teilweise beantworten. Prozesse wurden effizienter, aber die eigentliche Wissensarbeit blieb weitgehend menschlich. Informationen mussten gesucht, bewertet, eingeordnet und in verständliche Beratung übersetzt werden. Mit den aktuellen Fortschritten im Bereich Künstlicher Intelligenz entsteht nun erstmals die Möglichkeit, auch diesen Teil sinnvoll zu unterstützen: durch Strukturierung, Zusammenfassung, Priorisierung und Vorschläge für Mitarbeitende.

Die nächste Phase der Digitalisierung

Der Blick nach vorn zeigt, dass die nächste Phase der Digitalisierung nicht weniger anspruchsvoll wird. Klassische Suchmaschinen verlieren an Bedeutung, während Antwortmaschinen und konversationelle Systeme wichtiger werden. Kunden werden künftig nicht nur Websites durchsuchen, sondern direkt Fragen stellen und konkrete Empfehlungen erwarten. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen, etwa im Umgang mit KI, Transparenz, Daten und Verantwortung. Auch Nachhaltigkeit und Vergleichbarkeit werden stärker in digitale Beratungsprozesse integriert werden müssen.

Vor 30 Jahren ging es darum, Reisen überhaupt online sichtbar zu machen. Später wurden Daten und Prozesse digitalisiert. Heute geht es darum, Wissen nutzbar zu machen und Komplexität beherrschbar zu halten. Von der ersten online gebuchten Hochzeitsreise im Jahr 1997 bis zu KI-gestützten Beratungsprozessen im Jahr 2026 führt daher eine erstaunlich direkte Linie: Neue Technologien schaffen dann den größten Mehrwert, wenn sie reale Probleme lösen und den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

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