GO Jugendreisen – Vom Lochstreifen zur Online-Buchung
40 Jahre digitale Pionierarbeit im Jugendtourismus
– Eine Geschichte von Gert Just (Gründer) –
GO Jugendreisen ist seit 1986 der Experte für betreute Jugendreisen. Was damals mit einer kleinen Vision von Gründer Gert Just begann, geht 2026 bereits in die 40. Saison. Die Firma wird heute in zweiter Generation von Franziska Just gemeinsam mit Florian Stengl und Sebastian Ramisch als gleichberechtigtes Trio geführt.
Was viele nicht wissen: Hinter jeder Jugendreise steckt eine gewaltige digitale Infrastruktur. Ein Buchungssystem, das flexibel genug sein muss, um die Bedürfnisse junger Reisender und ihrer Eltern abzubilden. Eine komplexe Kontingente-Verwaltung. Eine Personalplanung für hunderte Teamer. Marketing, das Jugendliche erreicht. Und eine Buslogistik, die jedes Jahr tausende Kilometer zuverlässig koordiniert.
Wenn ich heute zurückblicke, kann ich kaum glauben, wie alles angefangen hat. Vor 40 Jahren war Digitalisierung im Tourismus noch ein Fremdwort. Wir arbeiteten mit einer Busreiseveranstalter- Software auf DOS-Basis. Ein schlichtes System mit schwarzem Bildschirm und Eingaben per Tastatur, ohne moderne Oberfläche. Das war damals schon Hightech. Die Daten liefen über Lochstreifentelex, also über Technik, bei der Informationen auf Papierstreifen mit Lochmuster übertragen wurden. Wer das noch kennt, weiß, dass das alles andere als komfortabel war.
Ich erinnere mich an Situationen, in denen sich ein Lochstreifen genau in dem Moment verknotete, in dem ich gleichzeitig versuchte, am Telefon einen Ersatzbus für einen Abfahrtstag zu organisieren. Man saß zwischen Papierstreifen, die sich wie Spaghetti umeinanderwickelten, hielt den Hörer zwischen Schulter und Ohr eingeklemmt und versuchte, ruhig zu klingen, während der Lochstreifen sich in alle Richtungen verabschiedete. Das war Multitasking in seiner ursprünglichsten Form. Heute bringt uns diese Erinnerung zum Schmunzeln, damals fühlte es sich jedoch an, als würde die Technik genau dann ihren eigenen Kopf bekommen, wenn man sie am dringendsten brauchte.
Dann kam der erste große Schritt: ein elektronisches Telex, eine frühe Form digitaler Nachrichtenübermittlung. Und dazu gibt es eine kleine Randgeschichte. Wir haben dieses Gerät gebraucht gekauft, vom Alltours-Reisebüro. Ich sehe das heute noch vor mir. Dieses schwere Teil, das Gefühl, da gerade ein Stück Zukunft in den Händen zu halten, und gleichzeitig die Frage: Bekommen wir das wirklich in unseren Alltag integriert? Für uns war das ein Meilenstein, ein Stück erkämpfte Zukunft.
Es ging weiter mit BTX, einem Vorläufer des Internets, über den man Informationen abrufen und einfache Aktionen auslösen konnte. Heute wirkt das fast nostalgisch, aber damals war es revolutionär. Zwar hatten wir bereits ein Reservierungssystem, doch das war ausschließlich für Gruppenreisen geeignet. Einzelreisen einzubuchen bedeutete einen enormen Aufwand, weil vieles nicht automatisiert war und man sich durch umständliche Abläufe arbeiten musste. Es war klar, dass wir etwas Neues brauchen würden.
Unser Anspruch war hoch. Wir wollten ein System, das mit uns wächst, Kontingente steuert (also Plätze und Verfügbarkeiten in Unterkünften und auf Reisen verwaltet), Schnittstellen zur Buslogistik bietet (damit Busplanung, Abfahrtsorte und Teilnehmerzuordnung zusammenpassen) und vor allem eines ermöglicht: möglichst eigengesteuerten Umsatz, also direkte Buchungen ohne unnötige Umwege. Dafür brauchten wir jemanden, der nicht nur programmiert, sondern unsere Vision versteht. Und genau den fanden wir. Unser Programmierer begleitet uns bis heute und hat ein System geschaffen, das über Jahrzehnte immer weitergewachsen ist.
Um die Jahrtausendwende machten wir den nächsten großen Schritt: unsere erste eigene Webseite. Wir wollten, dass Kunden direkt online buchen können. Das war damals alles andere als selbstverständlich. Also integrierten wir das Buchungssystem und setzten uns ein Prinzip, das bis heute gilt: Jeder Datensatz wird nur einmal angefasst. Was schlicht klingt, war ein riesiger Effizienzsprung, denn vorher bedeutete das oft doppelte Arbeit. Informationen wurden mehrfach eingetippt, geprüft, übertragen und dabei passierten zwangsläufig Fehler.
Heute, 40 Jahre später, blicken wir auf eine Reise voller Mut, Improvisation und Innovation zurück. Digitalisierung im Tourismus ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Menschen, die bereit waren, neue Wege zu gehen. Und ich bin stolz, dass wir einer dieser Wegbereiter waren und es auch heute noch sind.
Ein System, das mit uns gewachsen ist
Was viele nicht wissen: Die Vision unseres Systems war am Anfang gar nicht vollständig ausgearbeitet. Wir wussten nur eines. Alle erfassten Daten mussten nahtlos miteinander verbunden sein. Keine doppelte Datenpflege (also Informationen nicht zweimal an verschiedenen Stellen eintragen), keine Insellösungen (Einzelsysteme, die nicht miteinander sprechen), keine unnötigen Fehlerquellen. Dieser Gedanke wurde über Jahrzehnte zum Fundament unserer digitalen Entwicklung.
Unser Programmierer Uli Hendrix verstand diesen Anspruch von Beginn an. Ihm war immer wichtig zu erkennen, wie wir arbeiteten, wo etwas hakte und welches Ziel wir mit einer neuen Funktion verfolgten. Er wollte nicht nur programmieren. Er wollte verstehen, was dahintersteckt. Das machte ihn zu einem zentralen Baustein unseres digitalen Wegs, weil aus Technik bei uns nie Selbstzweck wurde, sondern immer Lösung für echte Abläufe
Als er bei uns einstieg, steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Webseiten waren schlicht, fehleranfällig und oft quälend langsam. Unsere damalige Seite für Gruppenreisen war ein buntes Flickwerk aus animierten GIFs, diese kleinen bewegte Grafiken, die damals als modern galten. Aus heutiger Sicht fast rührend. Weil stabile Online-Systeme kaum existierten, entwickelte Uli unser erstes CMS als Offline-Lösung. Das bedeutet: Inhalte wurden am eigenen Rechner vorbereitet und anschließend per FTP hochgeladen (ein älteres Verfahren, um Dateien auf einen Server zu übertragen). Ein einziger Upload dauerte schon mal 30 bis 45 Minuten. Das klingt heute absurd, aber damals war es Alltag. Und man saß wirklich daneben, schaute auf den Fortschrittsbalken und hoffte, dass die Verbindung nicht kurz vor Schluss abbricht.
Trotz all dieser Startbedingungen entschieden wir uns, neu zu denken. Niemand ahnte damals, wie groß dieses System einmal werden würde. Vermutlich hätte manch einer zweimal darüber nachgedacht, ob er sich darauf einlässt. Aber genau dieser Mut und dieses Vertrauen haben uns weit gebracht. Eine seiner wichtigsten frühen Entscheidungen war der Einsatz von PHP, eine Programmiersprache, mit der man Webanwendungen baut. Damals war das mutig, denn die Sprache steckte noch in der Entwicklung. Doch im Rückblick war es ein Glücksgriff. PHP wurde zur meistgenutzten Websprache mit einer großen Auswahl an Bibliotheken, Erweiterungen und Modulen (fertigen Bausteinen, die Entwicklung beschleunigen). Das ersparte uns unzählige Stunden Eigenentwicklung und gab uns über viele Jahre die Freiheit, schnell und stabil weiterzubauen.
Wachsen, indem man sich verändert
Natürlich war es nicht immer einfach, ein System über Jahrzehnte weiterzuentwickeln. Die Realität der Jugendreisen veränderte sich kontinuierlich. Dass Zimmer- und Zeltverteilungen einmal so flexibel und dynamisch werden müssten, hätte damals niemand erwartet. Heute geht es nicht nur darum, Betten zu zählen, sondern passende Belegungen zu planen, Gruppen zusammenzuhalten, Wünsche zu berücksichtigen und gleichzeitig die Logik der Unterkünfte einzuhalten.
Später integrierten wir sogar die komplette Personalplanung, also Einsatzplanung, Verfügbarkeiten und Zuordnungen und noch einiges mehr. Denn Jugendreisen sind nicht nur Reisen, sie sind Abläufe, Verantwortung und Betreuung. Und genau das muss sich in einem System abbilden lassen.
Viele alte Datenstrukturen passten irgendwann nicht mehr in die aktuelle Arbeitswelt. Oft mussten sie vollständig überarbeitet oder migriert werden, sprich in neue Strukturen übertragen, ohne dass Informationen verloren gehen. Aus kleinen Updates wurden manchmal fundamentale Neuentwicklungen. Aber genau das hat unser System lebendig gehalten. Es ist mit uns gewachsen, nicht gegen uns.
Die Evolution der Onlinebuchung
Auch die ersten Schritte in die Onlinebuchung waren echte Pionierarbeit. Wir nutzten stets das, was zu der jeweiligen Zeit verlässlich funktionierte. Zuerst stellten wir nur Angebote online. Dann kamen Buchungen per E-Mail, die intern weiterbearbeitet wurden. Danach automatisch erzeugte PDFs (Dokumente, die das System selbst erstellt), die direkt aus dem Office verschickt wurden. Und schließlich, als einer der ersten im Jugendtourismus, eine voll integrierte Online-Buchung, bei der die Buchung direkt im System landet und nicht mehr manuell nachgebaut werden muss.
Stück für Stück entstand ein System, das heute selbstverständlich wirkt. Damals war es echtes Neuland. Es war kein einzelner großer Sprung, sondern ein Weg aus Hunderten kleiner Schritte, Entscheidungen und Lernmomente. Jeder Schritt war ein bisschen Mut, ein bisschen Lernen und oft auch ein bisschen Improvisation.
Und wir sind diesen Weg gemeinsam gegangen und gehen ihn noch. Mit Vision, mit Vertrauen und mit dem Wissen, dass Digitalisierung keine Bedrohung ist, sondern eine Chance.
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